Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

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I. Anatomie und Physiologie, 
ehen Schmerzen bei der Prosopalgie und bei Zahnweh, wie 
auch die bedenklichen Folgen der Verletzung des Zahnfacher 
fortsatzes beim unvorsichtigen Herausnehmen des Zahnes. — 
Verf. hält diese interessante Nervenpartie für ein zweites 
Gangliennervensystem, in welchem sich die eigenthiimlichen 
anatomischen Charactere und die Function des grossen sympathi 
schen Gangliennervensystems wiederfinden. Man höre! Wie 
letzteres in seinem Verlaufe eine Ellipse bildet, welche sich am 
Steissbeine schliesst; eben so geht der Hauptast des Oberkiefer 
ganglions mit einem oder mehrern seiner Endzweige mit dem 
der entgegengesetzten Seite eine Verbindung vor dem vordem 
Gaumenloche ein. Gleichwie der grosse sympathische Nerve in 
die Riickenmarksnerven eingeschoben ist; so ist jenes in den 
J^etvus trigeminus, welcher ganz die Charactere der Riicken- 
marksnerven darbietet, eingesenkt. Wie das eine die Höhlen 
des Körpers durchläuft und viele mittelst Fäden kettenartig zu 
sammenhängende Anschwellungen bildet; so durchläuft das an 
dere die Kieferzellen, schwillt in diesem Verlaufe, und beson 
ders im Zahnfächerbogen zwischen den Zahnwurzeln und zu- 
Nveilen auch in der vordem Wand der Zahnfächer, selbst in 
Untereinander zusammenhängende, mehr oder w'eniger platte An 
schwellungen von ungleicher Grösse und Gestalt an. So wie 
die ausstrahlenden Zweige des grossen Gangliennervensystems 
auf die Gefässe treten und mit ihnen innig verbunden zu den 
Reproductionsorganen verlaufen; so begeben sich die des neue» 
Ganglieuriervensystems mit den zahlreichen Blutgefässen des 
Oberkiefers zu dem Zahnfleische der Zähne, der Schleimhaut 
der Nasenhöhle, zum Tiiränennasencanale und zur Gaumenhaut. 
So wie jenes einen Centralpunct, nämlich das, um die Jttteriu 
coetiaca gelagerte Sonnengefieclit des Unterleibes, hat; so ist 
der Oberkieferknoten, welcher die Vereinigung der hintern und 
vordem Zahnarterie mit einem ziemlich ausgezeichneten Aste 
der Keilgaumenarterie an erwähnter Stelle genau und meist un 
zertrennlich umgiebt, als Centralpunct des Oberkieferganglien 
systems auzusehen. Wie beiin grossen Gangliennervensysteme 
von den Centralganglien, dem Bauchgehirne, die Zweige nach 
mehreren Richtungen ausstrahlen und unter sich ein zusammen 
hängendes, dichtes Netz mit untermischten, doch der Lage und 
Zahl nach nicht constanten Anschwellungen bilden; so auch im 
Oberkiefer. Wie die Farbe der Gangliennerven röthlichgrau 
und ihre Substanz weicher als die der Nerven des animalischen 
Lebens ist; so sind sie im Oberkiefer beschaffen, nur sind letz 
tere wegen ihrer stärkeren ßeschützungen durch Knochen noch 
ungleich weicher und fast ohne Nerveuhiille. So wie endlich 
mclt ein Zweig der Rückenmarks- oder Hirnnerven, wenn er 
stell in einen Knoten der vegetativen Nerven einsenkt, sich in 
seine Fasern auflöst und mit diesen allinählig verschmilzt; eben 
so verhält es sich mit den Zweigen des vordem und hintern
	        
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