Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

VII. Staatsarzneikunde. 
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könne ebensowohl Folge der Lähmungähnliclien Ermattung 
der Kranken als des angewendeten Opiums seyn, der Tod aber 
als Folge des letzteren „ei sogar unwahrscheinlich; wenn daher 
ein Irrthum begangen sei, so sei derselbe mindestens bei einer 
solchen Krankheit sehr verzeihlich und Aehnliches wohl selbst 
den ausgezeichnetsten Aerzten widerfahren. Demnach habe 
sich Dr, H. einen zu imputirenden und zu strafenden Kunstfeh- 
ler nicht zu Schulden kommen lassen. — Auf dieses Gutachten 
Restiitzt, erkannte die Juristenfacultät zu Berlin für Recht: dass 
H. in seiner Verteidigungsschrift so viel ausgeführt, dass 
et mit der (im ersten Erkenntniss zuerkannten) Remotion von 
der ärztlichen Praxis und 8tägiger Arreststrafe zu verschonen, 
u »d in Ansehung des ihm beigemessenen Kunstfehlers von der . 
Untersuchung zu entbinden und freizusprechen, auch von der 
Abstattung der aus der Untersuchung wegen des Kunstfehlers 
Erwachsenen Kosten zu befreien (hingegen wurde ihm, wegen 
des Disciplinarvergehens, ein ernsthafter Verweis von Seiten der 
Landesregierung und die Kosten, welche durch die Untersu 
chung etc., wegen achtungswidrigen Benehmens veranlasst 
Worden, teilweise zuerkaunt. [Henke'a Zeilschr. etc. 2f. Er- 
Sünzungslieft. 1835.] 
126. Beiträge zur gerichtlichen Medicin und 
^edicinischen Polizei; vom Dr. Buechner, prakt. Arzte 
* u Kirchenlamitz. — (Fortsetzung. S. Summ. ßd. II. Hft. 3. 
Ar. 85. d. n. Folge.) — 3) Wiederholte Missbildung 
® n zweien in verschiedenen Zeiträumen gebornen 
Kind 
ern. 
Folge zweimaligen Versehens. 
Ein 
gesundes, unverehelichtes junges Frauenzimmer, die mit einem 
ebenfalls kräftigen jungen Manne in unerlaubtem Umgänge lebte, 
gebar am 4. Dec. 1830 zum ersten Male einen ausgetragenen, 
r eifen, aber bald nach der Geburt wieder verstorbenen Knaben, 
der nach Aussage der Hebamme und anderer glaubwürdiger 
Personen, 12 Finger und ebensoviel Fusszehen, sämmtlich pro- 
Portionirt und regelmässig gebildet und. an der Zunge 3 Zapf 
ten hatte, wovon das mittlere am weitesten hervorragte. Am 
Juni 1832 gebar dieselbe Person ein todtes, genau durch die 
nten Missbildungen verunstaltetes Mädchen; B. sah das reife, 
^öllirr ausgetragene Kind selbst und entdeckte ausserdem an 
dessen Kopfe noch eine ganz ungewöhnliche Missbildung; die 
Kopfham überzog nämlich gleich einer Haube den sehr grossen 
’ c bädel in der Art, dass sie im ganzen Umfange desselben eine 
1<alt e und besonders an der oberen Stirngegend einen 2 Linien 
» tai 'ken Raum bildete. Nach längerer Zeit erzäidte endlich die 
"•utter auf vieles Drängen dem Verf., sie habe sich während 
bei der Schwangerschaften an einem Manne, der nur 3 Finger 
a “ jeder Hand hatte, und den sie 2 Mal in dem Hofe getroffen, 
'ersehen, und sei so heftig über denselben erschrocken, dass 
Sle ihn lange Zeit nicht habe aus dem Sinne bringen können.
	        
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