Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 219 
dann das Blid schon wieder ziemlich verwischt ist, was jedoch 
iür das therapeutische Verfahren, wäre auch die Natur des 
Bebels nicht ermittelt, von wenigem Belange, indem es aus 
»llgem. chirurgischen Normen abzunehinen, und durch die ört 
lichen Symptome handgreiflich suppeditirt ist. — Was nun die 
■Aufeinanderfolge der Krankheitserscheinungen betrilft, so hat 
sich ergeben, dass dabei im Durchschnitt eine grosse innere Ge 
setzmässigkeit Statt findet. Ein so bestimmtes Zeitmass des 
Verlaufs, wie es zum Theil von Einigen angenommen wird, 
konnte Verf. nicht erkennen. Die fieberhafte Beaction variirte 
»icht nur in ganz gelinden sondern auch characteristisch ausge 
sprochenen Fällen von 12—3 Tagen, in welcher Zeit ungefähr 
auch die Begrenzung des Hautsphacelus erfolgte. Die Bildung 
der Eiterrinnen und Losstossung der todten Partie zog sich aber 
oft bis in die 3. und 4. Woche hin. Was die Grösse des ört 
lichen Leidens betrifft, so hat sie Verf. von der eines Silber- 
Rfoschens bis zu der eines kleinen Handtellers variiren sehen. 
Letzteres ist sehr selten, und ereignet sich nur aul grossem 
Flächen, so z. B. in dem Gesicht. Das begleitende Fieber 
gleicht in den schlimmsten, aber auch seltensten, Fällen eini 
ge Zeit einer bedeutenden nervosa, in den leichtern ähnelt es 
mehr einer gastrica, doch stets mit unverhältnissmässiger Supprcs- 
«<o virium. Kritische Erscheinungen fand Verf. nicht immer 
deutlich, auch bestanden sie bald in Schweissen, bald auch in 
v ermehrten Darmausleerungen. Andere wesentliche Diilerenzen 
Beobachtete er nicht, namentlich nie, dass das örtliche Lei 
den, selbst bei grosser Ausbreitung, über die Haut und das un 
terliegende Zell - und Fettgewebe hinausgegangen; die Muskeln 
ll »d aponeurotischen Bedeckungen bildeten immer die Grenze 
der krankhaften Umänderung. Die Cutis ist der wahre und 
»Jleinige Sitz des Leidens, und man muss die Krankheit als 
e ’»en Sphacehts Cutis bezeichnen. Eine gangränöse und spha- 
colöse Form anzunehmen, wie T)r. Heine (Rust’s Magazin. 
Ld- 36. Hfti 2.) ist in der That nicht naturgetreu. Die Krank 
heit erscheint so schnell, dass eine vorhergehende Gangrän nicht 
nachgewiesen werden kann; wo sie Statt fände, würde sie 
»och nur als Uebergangsform zu betrachten sein, und daher ist 
»uch die von Schröder vorgeschlagene Benennung T'esicula 
£nngraenescens richtiger mit sphacelesceiis zu vertauschen. Aus 
der nosologischen Bestimmung folgt nun, dass die Krankheit 
eine duvchaus örtliche, das Allgemeinleiden immer, und selbst 
in den Fällen, wo die Krankheit von Innen heraus, durch den 
Genuss milzbrandigen Fleisches entstand, secundär ist; denn 
»uch in diesen Fällen ging mehr den ein Mal kein merkliches 
^dlgemeinleiden voraus. Es äussert aber das Contagium seine 
irkung auch in tiefer gelegenen Gebilden, so sah Verf. 6 — 
Mal auf Milzbrandansteckung eine sphacelöse Zellgewebent- 
z,, »dung folgen; eine Form, welche die Schriftsteller noch nicht
	        
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