Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 201 
Spannung in der Magengegend. Ueberdies wurden Speisen und 
Getränke unverändert ausgebrochen und die Kranken lüldten 
Weder vor, noch während dieser Anfälle Beängstigung und Un 
ruhe. Auch die Cur bestätigte diese Ansicht, da leicht beru 
higende Mittel, wie Kali aceticum, Puhi. aerophorus, Selter 
wasser etc., diese Beschwerden bald hoben. 3) Diarrhöe be 
fiel nur 2 Kranke in der Abnahme des Uebels, das sonst ganz 
regelmässig verlief, so dass selbst die Drüsengeschwulst aut ge 
wöhnliche Weise abnahm. Der Durchlall war, wie das Er- 
brechen, durch Häufigkeit und Quantität der dünnflüssigen Aus 
leerungen sehr erschöpfend, besonders bei einem Kranken, wo 
e r, mit heftigem, anhaltendem Kopfschmerze 7 Tage währte. 
Fiebersymptome kamen mit der Diarrhöe nicht vor, bei der 
überdies Spannung und Empfindlichkeit des Unterleibs iehlte, 
Und die Zunge rein, rotli war. Inf. Ipecac. Aqu. o.rjmur. 
später rother Wein und Tinct. fern. pom. hoben diesen Durch 
fall und die durch ihn hervorgerufene Schwäche. 4) Nervöser, 
Stirn - und Scheitelgegend einnehmender Kopfschmerz befiel bei 
Abnahme des Uebels 3 Kranke und quälte sie 5 Tage, ohne je 
doch ausser Abspannung, die besonders durch Schlaflosigkeit ver 
mehrt wurde,, Nachtbeile zu hinterlassen. — Was die Aetio- 
logie anlangt, so ist die Annahme, dass kindliches Alter, beson 
ders die Jahre der Pubertät, Disposition zur Angina parotidea 
bedingen, durch die hier besprochene Epidemie völlig bestätigt 
Worden. Sämmtliche Kranke waren 15 bis 18 Jahre alt und 
das Uebel befiel nicht einen Erwachsenen, die Gelegenheitsur- 
ßache lag deutlich genug in der sehr ungünstigen Witterung 
des Jan. und Febr., die beide fast ununterbrochen regnfgt und 
windig w'aren und durch häufige Erkältungen und anhaltende 
Beschränkung der Hautthätigkeit catarrhalische Uebel veranlas 
sen konnten. Wie entscheidend die Witterung auf die Ang ina 
Parotidea war, geht daraus hervor, dass, als Mitte Jan. gün 
stigeres Wetter eintrat, während den» 11. bis zum 23. Jan. 
Kein Einziger erkrankte, so wie dass im Febr. vom 18. bis 
zu m 25. mit Eintritt und Dauer des schönen Wetters ebenfalls 
Keiner von dieser Angiua befallen wurde und vom 25. Febr. 
bis zum 1. März nur 3 erkrankten, während vom 1. bis zum 
18- Febr. so lange, als das schlechte, regnigte wetter anhielt, 
^8 Kranke ins Lazareth kamen. Dass die Lage der einzelnen 
fheile des Hauses, nach Maassgabe des dadurch bedingten 
Einflusses der herrschenden Winde und der Sonne, auf häufi- 
gere, oder seltenere Entstehung von Erkrankungen eingewirkt 
habe, H ess s j c ], n ; c ] lt annehmen, da gleich anfangs in allen 
4 Fronten des Hauses Erkrankungen ziemlich gleichmässig vor- 
karnen. Die Annahme, dass auch dieses Uebel ein Comtagiuin 
«»zeuge und durch dasselbe verbreitet werde, wie nach frühem 
Beobachtungen W. glaubte, wurde durch diese Epidemie anschei- 
«eud wenig bestätigt.^Im Lazareth erkrankten nur 2 an chronischen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.