Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

180 IV. Gynäkologie und Pädiatrib. 
fiervorspringendem Promontorium und bei sehr hohem Stande der 
Vaginalportion nicht nur sehr schwierig, sondern sogar oft un 
möglich. Erweiterung des Muttermundes bei Erstgebärenden 
gelingt oft zwar den ersten und zweiten Tag, haben sich aber 
bis dahin noch keine Wehen gezeigt, so muss man oft die Aus 
dehnungsversuche wegen Empfindlichkeit der Theile aussetzen 
und endlich doch zum Eihautstiche die Zuflucht nehmen. Steht die 
Vaginalportion sehr hoch, so weicht diese beim gelinden Drucke 
nach allen Seiten aus und vereitelt so alle Mühe, das Instru 
ment einzuführen. Bei Multiparis, wo alle Verhältnisse gün 
stiger sind, erreicht man durch diese Methode immer seinen 
Zweck, nämlich den Muttermund zu erweitern. Die Geburt 
muss jedoch auch bei diesen sehr oft durch den Eihautstich 
beendigt werden. Die 3. Methode, die Operation der künstli 
chen Frühgeburt auszuführen, besteht nach Hamilton darin) 
mit einem oder zwei Fingern in die Vaginalportion einzudrin 
gen, die Eihäute loszutrennen und, wenn die Trennung ohne 
Zerreissung derselben geschehen ist, das Weitere der Natur zu 
überlassen. Conquest giebt die Operation, wie folgt, an• 
der Finger wird innerhalb des Muttermundes und des .Cervi# 
-ntein herumgeführt, um die Decidua zu lösen; dadurch werden 
die Häute unversehrt gelassen und der Fötus kann nicht durch 
Druck zu Grunde gehen. Muttermund und Scheide werden so 
allmählig durch Ausfluss des Liq. amnii erweitert und Letz- 
terer erfüllt seine Pflicht, wie bei einem physiologischen Ge- 
burtshergange. Die Geburt fängt dann gewöhnlich innerhalb 
24 — 96 Stunden an. Nach Reissinger soll schon Merri- 
man vor Hamilton die Operation so ausgeübt haben. Von 
Deutschen haben sie Kluge, Mende und Riecke unternom 
men; die Erfolge sind aber so wenig glänzend, dass man lie 
ber zu einer der frühem Methoden seine Zuflucht nimmt, denn 
abgesehen davon, dass man auch, ohne die Eihüllen zu zer- 
reissen, die Trennung bewerkstelligen kann, muss man docU 
sehr oft, um die Geburt zu vollenden, die Blase zerreissen- 
Durch Lostrennen der Eihäute wird bezweckt, das Ei dem 
Uterus fremd zu machen und somit dessen Ausstossen zu bewir 
ken. Diese Methode hat grosse Schwierigkeiten. Sie setz* 
voraus, dass man nicht allein den Muttermund leicht erreich*) 
sondern auch mit dem Finger bis zu den Eihäuten dringen kann« 
Bei Erstgebärenden kann man diess zwar und ganz besonders 
in der letztem Zeit der Schwangerschaft, aber zur Zeit, V® 
die künstliche Frühgeburt angezeigt ist, zwischen der 31. und 
37. Woche ist diess nicht möglich, und wer steht dann dafüb 
dass man nicht elipr die Eihäute zerreisst, als sie losschiebb 
und dann würde der Eihautstich weit milder und leichter erschei 
nen. Anlangend die letzte Methode, die künstliche Frühgebm 1 
mittelst Reibungen und innerlicher Mittel zu bewerkstellige"* 
so theilt der Verf, nur Einiges über die Reibungen mit, da eS '
	        
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