Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

177 
IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
geübt“ hat, bedient sich bald Röderer’s Wassersprenger, bald 
der Pfeilsonde von Frere Cd me, bald des Stechsaugers. 
Öie Operation 'wird, wie folgt; gemacht: nachdem man die 
Schwangere bei tief stehendem Muttermunde auf ein Querbett, 
bei hochstehendem stehend an die Wand gebracht hat, und 
durch einen Gehülfen der Uterus von aussen fixirt und nach 
unten gedrückt worden ist, bringt man das zur Eröffnung der 
Eihüllen bestimmte Instrument auf zwei zur Leitung desselben 
dienenden Fingern der Linken mit der Rechten bis an den Mut 
termund und schiebt es dann, nachdem man gewiss weiss, dass 
»ian wirklich am Muttermunde ist, mit drehender Bewegung in 
denselben hinein. Ist das Instrument wirklich in der Höhle des 
Uterus, was man am leichten Vordringen bemerkt und ist es 
bpch genug zwischen den Eihüllen und den Wänden des Uterus 
eipgedrungen, so schiebt man den Troicart vor und durchsticht 
die Eihäute. Gut ist es, wenn das Instrument so entfernt wie 
Möglich vom Muttermunde die Eiiiiillen durchbohrt, indem dann, 
durch langsameres Abfliessen des Wassers, die Theile nicht al- 
Iei « zur Geburt besser vorbereitet, sondern auch der Mutter 
mund durch das sich an demselben in Form einer Blase ansam 
melnde Fruchtwasser langsamer und mehr dynamisch erweitert 
'vird. Der Act selbst ist für die Schwangere unschmerzhaft. 
le schon erwähnt ist die Operation des Eihautstiches die häu 
figste und sehr oft die allein mögliche. Wenn alle andern 
Methoden den Geburtshelfer verlassen, erreicht er doch durch 
Ele seinen Zweck; daher hat diese Methode die meisten Anhän- 
8 er , unter denen May, Wenzel, v. Siebold, v. d’Outre- 
Pont, Ritgen, Kluge, "Vrolik und Schilling die vor- 
z,l glichsten sind. Obgleich diese Methode die sicherste ist und 
m^u stets den Vorgesetzten Zweck durch sie erreicht, so hat 
Ele doch gegen sich, dass man nicht weiss, wie bald nach Ab- 
uss des Wassers die Wehen eintreten werden. Je länger die 
Wehen ausbleiben, je mehr ist für die Frucht zu fürchten, da es 
j mtsache ist, dass unausgetrageneFrüchte das Kindsw asser nicht 
En ge entbehren können, daher Rettung der Frucht vom baldi- 
jwu Eintritt der Wehen abhängt. Bisw eilen treten die Wehen 
j.. > meist aber später ein, so dass man die mittlere Zeit des 
^mtritts der Wehen auf 18 Stunden nach der Operation festge- 
c |‘ Zt ^mt. Da die Vaginalportion zur Geburt nicht hinrei- 
s . en “ Vorbereitet ist, so ist die 1. und 2. Geburtszeit sehr 
^nnuuzhalt, die 3. und 4. dagegen leicht. Die vielen für die 
es UC lt Ul fSfücklich verlaufenen Fälle dieser Operation machten 
ben' j 11 r® USweit h> die Geburtsthätigkeit ohne Eingriff ins Le- 
er . , GS Eies, daher mit Schonung der Eihäute ursprünglich zu 
Pont e "’ .® a *' er empfahl'E. v. Siebold und nach d’Outre- 
s en ’ 111 einem handschriftlichen Schreiben, Briinninghau- 
D a c: i en .Efesssehwamm zur Erweiterung des Muttermundes. 
c ireibeu von Brünninghausen ist vom 19. März 1820 
I , marian, d. Medicin. 1836. II. 12
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.