Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

172 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
und, entweder mit Leichtigkeit zuriickgebracht wurde, oder von 
selbst zurückgiiig. Nach den Blutflüssen erschien stets ein copiö- 
ser, übelriechender Fluor albus. Verschiedene Aerzte, von 
welchen die meisten eine umgestiilpte Gebärmutter als das Lei 
den erkannten, und nach Repositionsversuchen von jeder wei 
tern örtlichen Behandlung abstanden, behandelten Pat. mit stär 
kenden und adstringirenden Mitteln. Als sie nun nach dem 
Ansspruche eines Arztes ihr Uebel für unheilbar halten musste, 
blieb sie mehrere Jahre ohne die Kunst. Im Frühlinge 1831) 
nahmen indess die Blutflüsse sehr überhand. Verf. sah Pat. 
jetzt zum 1. Male. Sie war höchst erschöpft, von einem kal 
ten, klebrigen Schweisse bedeckt; klagte hauptsächlich über 
Eingenommenheit des Kopfes, Ohrensausen, über wehenähn- 
liche heftige Schmerzen und periodisches ziehen im rechten 
Schenkel. Das Ansehen war biassgelb, die Lippen farblos, 
das Auge matt, der Puls klein, frequent, aussetzend. Bei der 
Untersuchung fand Verf. die Scheide mit einem runden Körper, 
von der Grösse einer geballten Faust, ausgefüllt, dessen derbe 
und glatte Oberfläche, selbst gegen den Druck mit den Nägeln, 
nicht empfindlich war. Der im Durchmesser 2 Zoll dicke Stiel, 
war von dem Muttermunde nicht vollständig umgeben. Der 
Polyp konnte daher von dem Grunde nicht entspringen, Verf. 
hielt dafür, dass er von dem Mutterhalse oder der inner» Flä 
che der Lefze des Muttermundes.hervorgewachsen sei, und durch 
seinen dicken Stiel, bei dem langjährigen Bestehen des Uebels, 
den Muttermund verschlossen habe. Das einzige Mittel, die 
langwierigen Leiden möglicherweise noch zu heben, konnte mir 
in Entfernung des Gewächses bestellen. Pat. bei der schon 
hectisches Fieber und Oedem der Fiisse eingetreten waren, 
ward vorerst einer stärkenden Behandlung unterworfen. Sie 
musste sieh dahei ganz ruhig im Beite verhalten, wobei, so 
wie bei mehrern andern passenden Medicaraenten, der Blutfluss 
binnen (k Wochen nur'2 Mal und schwach erschien, und sich 
das Allgemeinbefinden sehr verbesserte. Unterstützt von dein 
Dr. Martini legte mm Verf. mittelst 2 geraden, mit einem 
Silberdraht versehenen, Röhren die Ligatur an, und bei täglich 
wiederholtem Zuschniiren ging der Körper innerhalb 12 Tagen 
in Fäulniss über. Unter Ausfluss einer blutigjauchigen, pesti- 
lentialisch-rieciienden Flüssigkeit, womit aucii Fasern und grös 
sere Lappen abgingen, entfernte er sich allmählig. Reinlich 
keit und häufige antiseptische Injectioneu minderten hierauf bald 
die nachtheilige Wirkung dieser Procedur auf den Körper. 6 
Wochen nach der Operation ward Pat. von ihrem frühren Hals 
übel, das sieb seit dem 1. Blutsturze, innerhalb 10 Jahren, 
nicht eingestellt hatte, abermals heimgesucht; es wurde aber 
durch die erforderlichen Mittel in Kurzem zertheilt. Während 
6 Monate nach der Operation hatte die noch immer schwache 
und kränkelnde Pat, keinen ’ßlutabgang, dann erschien die
	        
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