Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

152 II. Materia ntedica und Toxikologie. 
% 
beiführten. Die Unwirksamkeit so grosser Gaben eines so he 
roischen Mittels ist höchst auffallend und durch die Vermuthung, 
dass der Grund davon in einem schlechten Präparat liege, nicht 
ganz gut zu erklären. Es ist daher wahrscheinlich, dass diese 
Verschiedenheit durch die von ihm behandelten Fälle selbst her 
vorgerufen worden sei, indem die Kranken meist an sehr chro 
nisch entstandener Lähmung litten und diese in mehrern Fällen 
namentlich hohle muskelhäutige Organe, z. ß. die Harnblase, 
befallen hatte, obwohl sich auch so der Grund einer abwei 
chenden Wirkungsweise nicht ganz einsehen lässt. Sei dem 
aber wie ihm wolle, so widersprechen Jahn’s Aussagen den 
Beobachtungen vieler Aerzte, welche die Brechnusspräparate in 
Lähmungen sehr wirksam fanden. — Dass die bekannten Re- 
actionssymptome des Organismus gegen dieses Mittel, die oft so 
stark anftreten, vermöge ihrer eigeuthümlichen Erscheinungs 
weise für eine der Brechnuss ursprünglich inwohnende Tendenz 
zur Lähmung sprechen, wie Jahn will, glaubt H. nicht, denn 
ganz dieselbe Erscheinungen können ja auf jeden heftigen Ner 
venreiz, sei er, welcher Art er wolle, eintreten. Um ähnliche 
Differenzen in der Beobachtung über die Wirksamkeit dieses 
wichtigen Mittels künftig zu vermeiden, dürfte es am besten 
seyn, immer nur das sicherste Präparat anzuwenden und in 
dieser Beziehung hat das Strychnin vor dem Extr. spir. wohl 
den Vorzug, das, gleich allen andern Pflanzenexjracten, dem 
Vorwurfe der Unsicherheit der Wirkung wohl im hohen Grade 
unterliegt. — Auch in den mitgetheilten Fällen fand der Verf. 
wie immer, wo die Lähmung in Genesung überging, die alte 
Bemerkung, auf die schon v. Autenrieth aufmerksam machte, 
bestätigt, dass nämlich die grossem Glieder vor den kleinern, 
die untern Extremitäten vor den obern genesen, also der Fuss 
vor dem Arm, die Zehen vor den‘Fingern etc. Bemerkens- 
werth ist es aber, dass die Zunge hier gewöhnlich eine Aus 
nahme macht, denn während der Satz fest steht, dass die Or 
gane, in denen der Nervenapparat am feinsten und zartesten zu 
ganz eigentümlichen Zwecken organisirt ist und die höchsten 
Functionen zu vermitteln hat, sich am seltensten und spätesten 
von Lähmung wieder erholen, also namentlich die Sinnorgane, 
stellt sich die Beweglichkeit der Zunge meist früher her, als 
die der Extremitäten. — Noch fügt der Verf. einige Worte 
über einen andern höchst interessanten Fall hinzu, der in ge 
wissem Sinne wenigstens hierher gehört. Gegen einen, wie es 
schien, rein nervösen, mit ausserordentlicher Heftigkeit rasen 
den Kopfschmerz auf dem Iinkeu Scheitelbeine, der nicht in 
ganz bestimmten Paroxysmen wiederkehrte und, gegen den so 
ziemlich alle möglichen innern und äussern Mittel und unter den 
erstem namentlich: Nauseosa, Einetica, Chinin, Bellad. und 
Ferr. carbon. theils mit sehr unbedeutendem, theils mit gar kei 
nem Erfolge angewendet worden waren, streute H. auf Rath
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.