Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

II. Materiä medica und Toxikologie. 
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setztem Gebrauche des Mittels verminderte sich der Auswurf) 
so wie der Nachtsclnveiss ohne Vermehrung der Brustbeklem 
mung und unter Zunahme der Kräfte. — Bei den in Phthi- 
sis so häufig intercurrirenden entzündlichen Affectionen der Lun 
gen ist das Kreosot geradezu contraindicirt und es ist daher, da 
der Lungenschwindsucht meist ein der Entzündung wenigstens 
sehr analoger Process zu Grunde liegt, verhältnissiuässig nur 
selten an seinem Platze. Bei einem schon mehrmal vom Deli 
rium tremens ergriffenen Säufer, der nach dein letzten Anfall 
im Sommer 1835 in Phthisis verfiel, die sich zuerst durch Blut 
später durch sehr stinkendem, mit tuberkulösen Körnern durch- 
säetem Eiterauswurf mit hectischem Fieber und allgemeiner Ab 
magerung zu erkennen gab, verordnete S. mit Eintritt des letz 
tem Stadium, nach Voranschickung von Blutentleerungen und 
Antiphlogisticis mit demulcirenden Mitteln, neben forlgesetztem 
Gebrauch des Malztranks, Kreosot mit G. Mjjrrh. Der Erlolg 
war sehr überraschend: der Gestank verlor sich fast plötzlich, 
der Auswurf nahm plötzlich ab, der Puls wurde normal, der 
Schlaf ruhig, Kräfte und Körpervolumen nahmen zu und der 
Kranke ist jetzt, nachdem er in 10 Wochen 7 Drachmen und 
1 Scrupel Kreosot genommen, völlig hergestellt und geht sei 
nen Arbeiten ohne allen Nachtheil nach. [Med. Corresp.-Blatt 
d. umrt. ürztl. Vereins. Bd. VI. No. 7.] 
63. Mittel gegen Lähm 11.11 gen; vom Kreisphys. Dr. 
HausbkAnd in Braunsberg. B. hat oft, und namentlich bei 
halbseitiger Paralyse in Folge von Apoplexie, folgende Mittel 
mit ausgezeichnetem Erfolge angewendet: a) Bäder der gelähm- 
ten Theile in frischem warmen Ochsenblute. Sie wirkten aus 
gezeichnet heilkräftig, Pat. fühlte gleich beim ersten Bade das 
neue Erwachen der Kraft im Arme und konnte die gelähmten 
Finger bewegen, auch gelang der Versuch zu schreiben unmit 
telbar nach dem 5. Bade. b) Das Bedecken der paralysirten 
Glieder mit noch warmem Magen und Gedärmen eben geschlach 
teter Ochsen. Beim Erkalten der Eingeweide wird der mit Fut 
ter gefüllte Panzen aufgeschnitten und übergelegt. Diese Theile 
behalten recht lange, viel länger, als das bald erkaltende und 
coagulirende Blut, die Wärme bei und eignen sich besonders 
zu Anwendung auf die Unterextremitäten, weil sie hier nicht 
s° unangenehm die Sinne afuciren. — c) Lange leinene, mit 
Ameisen gefüllte Beutel über die kranken Gliedmassen gezogen. 
Dieses sehr kräftige Mittel muss höchst vorsichtig angewendet 
werden, weil bei empfindlichen Kranken dadurch äusserst hef 
tige Schmerzen entstehen und die Theile rotli werden und stark 
foschweilen. J e mehr dies der Fall ist, desto nachhaltender 
ist übrigens die Wirkung. — d) Bäder in kräftiger, ausOch- 
&e nfÜssen bereiteter Fleischbrühe, worin lebendige Ameisen er- 
•odtet worden sind. — e) Auch Bedecken mit frischgebacke- 
nem > «och warmem Brote, ist bei lähmungsartiger Schwäche 
'"maritim d. Jledicin. 1836. II. 
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