Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

Y. Staatsarzneikunde, 
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V. Staatsarzneikunde. 
54. Beiträge zur gerichtl. Medicin und medi- 
cinisehen Polizei. — Von Dr. Buechneii, pract. Arzte 
zu Rirchenlamitz. — 1) Amblyopia amaurotica, als 
Folge einer Wunde der linken Augenbraunen 
gegend. — Ein 32jähr. gesunder kräftiger Bauer erhielt in 
einem Streite eine 1 Zoll 3 Linien lange und 1 Zoll tiefe, 
gerissene, stark klaffende Wunde in die linke Augenbraunen 
gegend (mit einer Mistgabel), die sielt, ohne irgend einen an 
dern Theil der Augenhöhle oder des Augapfels verletzt zu 
haben, bis in die Augenhöhle hinein erstreckte; die eingetre 
tene Geschwulst liess die, obwohl nicht bedeutende, dadurch 
bewirkte Schwäche des Sehvermögens nicht sogleich genau 
bestimmen; der nach 12 Stunden herbeigerufene Wundarzt ver 
einigte die Wunde per primam intentionem, verordnete kalte 
Aufschläge, später mit Plumb. acet.; nach 6 Tagen war sie 
ohne Eiterung geheilt und der Zustand des Auges am 10. Tage 
nach der Verletzung folgender: die Wunde durch eine gute, 
nicht auffallende Narbe geschlossen, das Auge matt, die Pu 
pille erweitert, das Sehvermögen jetzt schwächer als gleich nach 
der Verwundung; Vulnerat sah, wenn er das rechte Auge 
schloss, alles wie durch einen Flor; der Bulbus erschien klei 
ner, ohne Zweifel weil das Augenlid, wegen Lähmung des 
leval. palpebr. super, durch die Verletzung, jetzt mehr als ge 
wöhnlich herabhing (blepharoplegia partialis); beim mehr 
wöchentlichen Gebrauche eines aromatischen Augenwassers bes 
serte sich allmälig die Sehkraft, die Pupille verkleinerte sich, 
das Florsehen nahm ab, aber das linke Auge behielt sein pa 
ralytisches Ansehen und ambhjopia amaurotica bestand immer 
noch obwohl in geringem Grade. B. meint es sei schwer zu 
prognosticiren, ob letztere sich ganz verlieren oder gar später 
in wirkliche Amaurose übergehen werde, was indess bei der 
kräftigen Constitution des Mannes kaum zu fürchten sei; die 
Ursache dieser amaurotischen Gesichtsschwäche mag entweder 
m der theilweisen Zerrung und Quetschung des N. temporal. 
oder in Verletzung der Zweige der artcr. und vera supraogbit., 
oder in der Narbenbildung bestehen; letztere hat schon Hip- 
po erat es als Ursache der nach Augenbraunenwunden eintre 
tenden Gesichtsschwäche, die er für sehr gefährlich hielt, an 
erkannt. — Einen ähnlichen Fall beobachtete B. im J. 1830 
ln Folge eines Hiebes mit einem Bierglase ins Gesicht, wodurch 
eine bis in das periost. des margo orbital, dringende, (juer 
laufende Wunde unmittelbar über den linken Augenbraunen 
'"erursacht worden war, kalte Foinentationen und Blutegel hoben 
die Entzündung, die Wunde wurde durch Heftpflaster vereinigt; 
obwohl sich eine gute Narbe bildete, blieb doch die Pupille
	        
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