Full text: (Neueste Folge, Band 2 = 1836, No 9-No 16)

112 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
siologen der Streit fort: ob Versehen der Mutter möglich sei 
oder nicht und einige neuere Physiologen, unter denen auch 
Rudolphi war, behaupteten gradezu die Unmöglichkeit. Als 
dafür sprechender Beitrag ist folgender Fall bemerkenswert)! 
und zwar um so mehr, als er sich in der Familie des Verls, 
selbst ereignete und Täuschung für S. somit unmöglich war. 
Eines Tags consulirte den Verf. in seiner Wohnung eine Frau 
mit einem ungewöhnlich grossen Steatom am Halse, das der 
selben ein wahrhaft schreckliches Ansehen gab. Die Frau des 
Verfs., die gerade im Zimmer war und sich im 4. Monate der 
Schwangerschaft befand, erschrack darüber sehr. Dabei hat 
sie die Gewohnheit sich bei Schreck und Staunen ans Ohr zu 
fassen. Dieser Schreck wirkte nun so auf ihre Phantasie, dass 
sie durch die ganze Schwangerschaft behauptete, ihr Rind würde 
am Halse einen Auswuchs haben. S., vom Gegentheile über 
zeugt, suchte ihr diess natürlich auszureden, aber wie erstaunte 
er, als er nach Geburt des Kindes wirklich am Halse desselben 
einen Auswuchs entdeckte und zw ar ganz in Form eines Ohrs, 
das nicht nur einzelne Knorpeltheile, sondern Ohrlappen und 
selbst Andeutung eines Ohrlochs hatte. Die Grösse war fast 
natürlich. Mit der Basis sass es fest auf dem untern Tlieil des 
Muse. Steniocleidomastoicleus. Als das Kind 1 Jahr alt war 
machte Dr. Otto die Operation, die mit manchen Schwierig 
keiten verbunden war. Eine feine Narbe von 2 Z. zeigt die 
Spur. Das Präparat besitzt S. noch. [ Casner’s Wochcnschr. 
f. d. ges. Heilk. 1836. Dir. 10.] 
50. Miscellen aus dem Gebiete der Geburts 
hülfe, Frauenzimmer- und Kinderkrankheiten; 
vom Regierungs-Medicinalrathe Dr. Schneider in Fulda. —• 
1) Eine Frau welche sich am Ende der Schwangerschaft glaubte, 
erlitt in Folge des Hebens einer schweren Lade eine sehr star 
ke arterielle Metrorrhagie ; man fühlte keinen vorliegenden Kin- ! 
destheil, bei zweckmässigem Verhalten und dem Gebrauche : 
von Eli.v eteid. Hall, ging 8 Tage lang sehr übelriechendes, mit 
Schleim und Wasser vermischtes Blut ab; nach 3 Wochen 
erfolgte die normale Geburt eines starken Knaben, worauf ein ! 
Klumpen coagulirtes, faseriges, stinkendes Blut mit der halb 
faulen Placenta abging, deren schlechter Nabelstrang kaum be- , 
greifen liess, wie nach der vorausgegangenen Metrorrhagie die 
Frucht noch 3 Wochen hatte fortbestehen können. — 2) Eine ; 
gesunde, starke Mutter von 5 gesunden, normal geborenen 
Kindern, gebar nach glücklich verlaufener sechster Schwanger 
schaft am 25. Januar 1835 ein anscheinend ebenfalls gesundes, , 
wohlgenährtes Mädchen; in der Nacht des 26. verrieth es je- , 
doch durch uneigenthümliches, helles, lautes Schreien sein Un 
wohlsein, beruhigte sich nach einem Klystier aus Chamillenauf- 
guss mit Olivenöl, das nach £ Stunde mit anfangs hellem, dann ) 
mehr geronnenem, endlich schwarzem Blute abging; diese Hä-
	        
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