Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 89 
in Prenzlau. Ein Knabe von 8 Jahren hatte seit 5 Wochen 
den Veitstanz so heftig bekommen, dass die unwillkürlichen 
Bewegungen seiner Muskeln selbst iin Schlafe nicht aufhörten. 
Der Knabe batte vor 6 Wochen die Windpocken gehabt und 
sich dabei erkältet. L. liess längs dem Rückgrathe das Tjng. 
’tart. slib. einreiben und heilte dadurch bald das Uebel. II. 
Beobachtung des Kreisphys. Dr. Rehfeld in Prenzlau. Ein 
13jähriges Mädchen hatte schon 9 Monate den Veitstanz im hef 
tigsten Grade gehabt. Die Fiisse gingen förmlich mit ihr durch 
und die krampfhafte Beweglichkeit der Muskeln erstreckte sich 
bis auf die Gesichtsmuskeln und Sprachorgane, so dass sie, wäh 
rend sie schwankend und taumelnd umhergeschleudert wurde, 
mit den Armen die sonderbarsten Geberden und mit den Ge- 
sichtsmuskelu die lächerlichsten Verzerrungen machte und dabei 
die verworrensten unartikulirten Laute von sich gab. Zinkblu 
men in steigender Gabe, bis zu 16 Gr. p. d. mit Valerianathee 
und kalte Uebergiessungen im warmen Bade stellten in 6 Wo 
chen das Mädchen ganz wieder her. — 111. Beobachtung des Dr. 
Grossheim. Ein 4jähriges, schnell wachsendes Mädchen be 
kam den Veitstanz. Es konnte weder gehen, noclt stehen, noch 
sitzen; Kopf, Arme und Beiue wurden während des Wachens 
unaufhörlich umhergeschleudert, die Augen rollten unstät herum, 
Gesicht und Lippen wurden jeden Augenblick anders gezerrt 
und die Zunge versagte ihren Dienst beim Sprechen und Schlu 
cken. Fixirte man ein oder einige Glieder, so war das unwill- 
kiihrliche Spiel der Muskeln in den freien Gliedern um so hef 
tiger. Im Schlafe hörte jede Zuckung auf. Nach 5wöchent!i- 
-cher vergeblicher Behandlung mit antispasinodischen und anthel- 
minthischen Mitteln wendete G. täglich starke Laugenbäder an, 
in denen das Rind 4- Stunde blieb. Nach wenigen Tagen nahm 
man Beruhigung wahr und in 8 Tagen war das Uebel gehoben. 
Tiefliegende Augen, blasses Gesicht mit alten Zügen, grosse' 
Muskelschwäche und Stumpfsinn blieben lange zurück, verloren 
sich aber allmählig ganz. Nach 24 Jahre kehrte dasselbe Uebel 
mit gastrischer Complication zurück. Nach Entfernung der letz 
tem durch Brechmittel etc. wurden die warmen Laugenbäder, 
und da sie nicht so entschieden, wie das erste Mal, wirkten, 
mit kalten Begiessungen des Hinterkopfs und Rückgraths ange 
wendet. In 5 Wochen war das Kind genesen. [Med. Zeit, 
v. Vereine f. Hcilk. in Pr. 1830. Nr. 35.] 
34. Bemerkungen und Beobachtungen über die 
Irritatio spinalis; von Dr. Malose. Die Zeit wird den 
Schimpf der Aerzte, ihre Unbekanntschaft mit dem Wesen der 
Nervenkrankheiten, in Ruhm verwandeln, wenn man nur die 
Aufmerksamkeit besonders dem Nervencentrum zuwenden wollte. 
Manche unheilbare Rheumatismen, Paralysen, Cardialgieen und 
andere Nerveniibel, zuw'eilen selbst intermittirende Fieber 
würden geheilt werden, wenn mau auf die Irritatio spinalis,
	        
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