Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

V. Staatsarzneikunde. 
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24. Geburtshilfliche Miscellen; von Dr. Albert in 
Wiesentheid. 1) Eine 27jährige, zum ersten Male schwangere 
Frau, die früher an Bleichsucht gelitten, ass durch die ersten 
4 Monate der Schwangerschaft nichts, als täglich mehrmals eine 
starke Portion Mauerspeis, den sie aus dem Schutte eines zer 
fallenen Gebäudes sammelte und äusserte gegen alle Speisen 
unbezwinglichen Widerwillen. Dabei trank sie ein Gemisch 
von gleichen Theilen Aepfelwein und Wasser, ohne das sie bei 
dieser Lebensart merklich abzehrte. 2) A. wendete gegen das 
Erbrechen der Schwängern,' wenn es keinem Mittel weichen 
will, mit bestem Erfolge die Brechweinsteinsalbe an, die er in 
die Herzgrube bis zur Pustelbildung einreiben lässt. In drei 
Fällen schwand das Erbrechen allmählig nach Eruption des 
Ausschlags, in einem 4. Falle schaffte sie in so fern Erleichte 
rung, dass sie die Zahl der Anfälle verringerte. Pusteln an 
den Genitalien sah A. beim Gebrauche dieses Mittels nicht ent 
stehen. 3) Als die beste Methode die Gebärmutterblutllüsse 
bei Wöchnerinnen zu stillen, ergab sich dem Yerf. folgende: 
im ersten Anfälle giebt er eine Dosis Mutterkorn zu gr. x., 
dann ein Dictphoreticum aus Opii pur. Ipecac. aa. gr. Tevr. 
poml. salit. gr. j. Alle Stunden ein Stück, mit wannen Ge 
tränken, bis Schweiss erfolgt, worauf die Blutung steht und nicht 
w iederkehrt, w enn man den Schweiss eine Zeit lang gelinde unter 
hält. Es scheint, dass durch Bethätigung der Haut das Blut 
vom Uterus ab nach der Peripherie getrieben wird. Doch darf 
man das Schwitzen nicht zu lange fortsetzen, denn A. sah ein 
Mal danach Friese! entstehen. .. 
(Der Schloss folgt im nächsten Hefte.) 
Y. Staatsarzneikunde. 
25. Ueber praepotentia c ohahit an di. Ein medici- 
nisch - gerichtlicher Fall aus den Papieren des Dr. Voigt zu 
Leipzig. — Das Vorgeben einer Ehefrau, dass bei ihr eine 
relative Unfähigkeit zum Beischlafe Statt finde und dass sie des 
halb die Ehe nicht ohne Nachtheil für ihre Gesundheit fort 
setzen könne, veranlasste die ärztliche Untersuchung beider Ehe 
leute, und die dabei Vorgefundenen Umstände dictirten mir das 
am Ende angehängte Gutachten in die Feder. — Klägerin, an 
geblich 24 Jahre alt, verheirathete sich im Mai 18.. und trennte 
sich, während sie sich zum ersten Male schwanger fühlte, 
schon den 1. Juni desselben Jahres wieder von ihrem Manne, 
vorgeblich, weil es ihr unmöglich war, seinen übermässig star 
ken Geschlechtstrieb zu befriedigen. — Klägerin ist kleiner 
■Statur, dürftig genährt, von zartem Körperbaue, hat ein mage- 
res : wenig geröthetes Gesicht, auf dem sich Spuren innerer 
Leiden erkennen lassen, blaue Augen, blondes Haar und scheint
	        
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