Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
Vorempfindung jenes graussigen Gefühls, das mit Schaudern 
Jeden befällt, der hört, eine Kreissende sei, aller Bemühun 
gen ungeachtet, unentbunden gestorben, aufgefordert, einen Ent 
bind ungsversuck zu unternehmen und da, wo zu weiterer dy 
namischen Einwirkung keine Zeit gegeben, gleichsam Gewalt 
mit Gewalt zu vertreiben. [Neue Zeitschr. f. Geburtsk. von 
Busch , d’ Outrcpont und Bit gen. Bd. IV. HJt. 1.] 
23- Beobachtungen über fortgesetztes sieben- 
ßtündiges Leben der Placenta und des Foetus nach 
dem Tode der Mutter; vom Landgerichts-Physikus Dr. 
Nehr zu Rehau im Obermainkreise in Bayern. Marson (The 
Lond. med. Gaz. Aug. 1833) machte einen Fall bekannt, wo 
der Kreislauf und das Leben im Nabelstrange und der Placenta 
nach gänzlicher, rascher Ausstossung der Frucht aus dem Uterus 
bei G e burt eines 8monatIichen Fötus sich selbstständig 1 Stunde 
erhielt und Flajani förderte noch eine Stunde nach dem Tode 
der Mutter durch Kaiserschnitt einen 7monatlichen Fötus zur 
Welt. Da Beobachtungen der Art für Physiologie, Geburts 
hülfe und gerichtliche Medicin höchst wichtig sind, und die 
Lebensverhältnisse des Fötus dadurch allmählig mehr erhellt, 
so wie die Anzeigen für den Kaiserschnitt richtiger gestellt wer 
den könnten, so gebührt nachstehendem Falle hier gewiss mit 
allem Rechte ein Platz. Am 23. Nov, 1832 wurde N. um die 
Mittagsstunde eiligst nach einem 2 Stunden entfernten Orte ge 
rufen, wo eine 29jährige, im 9. Monate schwangere und der 
Entbindung in den nächsten 14 Tagen entgegensehpnde Frau 
Morgens 7 Uhr plötzlich verstorben war. Die Frau hatte sen 
sible Constitution, schwächlichen Bau und in der letzten Zeit 
ein entzündliches Halsleiden gehabt. Am Morgen hatte sie 
ihren |jährigen (?) Knaben zu sich ins Bette genommen und 
an die rechte Seite gelegt, ihn aber wegen seiner Unruhe zu 
rückgegeben. Indem sie aber den Knaben in der Rückenlage 
über sich weggehoben hatte und ihn abzugeben sich bemühte, 
traten krampfhafte Affectionen der Epiglottis, Erstickungszufälle 
und nach wenigen Augenblicken wirklicher Erstickungstod ein. 
N. fand die Verstorbene Nachmittags 2 Uhr, also 7 Stunden 
nach dem Tode, noch in der Rückenlage und im Bette. Alle 
Erscheinungen sowohl im Gesichte, als an den Extremitäten, 
die wegen mangelnder Bedeckung kalt und steil geworden w aren, 
Hessen nicht den wirklichen Tod bezweifeln; der durch die Bettde 
cke geschützte Unterleib war aber noch warm, nicht erschlafft, der 
hochschwangere Uterus fühlte sich hart an, war nach dem Becken 
gesenkt und lag auf dem Kreuzbeine auf und die Scheide war 
etwas erweitert, feucht und natürlich warm. So wenig man 
nun auch vermuthen konnte, dass der eingeschlossene Fötus, 
nach 7stündigem Tode der Mutter, noch lebend zur Welt ge 
bracht werden würde, so machte man doch den Kaiserschnitt 
und förderte durch ihn einen völlig reifen, seine Extremitäten
	        
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