Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
Wold. In der letzten Hälfte wohnte sie auf dem Laude und 
hatte hier durch Schaam über ihren Zustand und unangenehme 
Familienverhältnisse manchen Kummer, ln den letzten Monaten 
Vor der Geburt ging sie wenig an die freie Luft, fühlte sich 
oft ermattet, schwerfällig und bekam Oedem der Füsse. Oft 
soll sie auch in dieser Zeit heftige Congestionen gehabt haben, 
Weshalb man ihr rieth, Blut zu lassen, was sie aber nicht zu 
gab. Ende Juni 1835 fühlte sie eines Morgens beim Erwachen 
die ersten Wehen, ertrug jedoch dieselben ruhig, ohne etwas 
davon zu sagen, bis gegen 10 Uhr. Um diese Zeit schickte 
sie nach der Hebamme, die um 12 Uhr ankam. Diese fand 
die Gebärende ungewöhnlich verstimmt und ermattet, die We 
hen aber regelmässig und ziemlich kräftig und den Muttermund 
bei vorliegendem Kopfe fast ganz erweitert. Nach 1 Stunde 
bekam die Gebärende plötzlich Convulsionen, die zw ar w ährend 
der Wehen stets heftiger waren, aber auch ausser denselben 
nicht ganz schwiegen und gleich das Bew usstsein trübten. Ohne 
Säumen verlangte man nun ärztliche Hülfe. Als B nach 3 Uhr 
die Wöchnerin sah, fand er sie wie folgt: sie lag ganz bewusst 
los auf dem Bette, mit halbgeöffneten, stieren Augen, das Ge 
sicht war wenig geröthet, doch mit Schweiss bedeckt, Kopt 
und Hände, bei kalten Fussen, heiss und der Puls gerade nicht 
sehr beschleunigt, doch voll, gespannt. Alle 5 — 6 Minuten 
erschienen heftige, langdauernde Convulsionen, die sich beson 
ders durch schnelles Hin - und Herwerfen des Kopfs, rasches 
Verdrehen der Augen und stossende Bewegung der Extremitä 
ten kundgaben, unter denen man aber auch Contractionen des 
Uterus wahrnahm. Die innere Untersuchung zeigte den Kopf 
bereits in der Höhle des kleinen Beckens bei zurückgezogenem 
Muttermunde. Nachdem B. die allenfalls nöthigen Mittel, die 
man erst aus der Stadt holen musste, verordnet hatte, schickte 
er sich an, die Gebärende sogleich zu entbinden, weil er davon 
am ersten hoffte, dass die Eclampsie nachlassen werde. Ohne 
die Lage zu ändern, Hess er nur unter das Kreuz ein Ross 
haarkissen schieben und legte mit sehr geringer Mühe die Zange 
an. Wenige Tractionen reichten, von Zusammenziehungen der 
Gebärmutter unterstützt, hin, den Kopf zu entwickeln und so 
fort die Geburt eines lebenden, gesunden Mädchens, der Gebä 
renden ganz unbewusst, zu beendigen. Die Placenta folgte 
schnell und leicht, und der Uterus zog sich regelmässig zusam 
men; ein Beweis, wie letzterer, hier in seiner höchsten Ent 
wickelung nur auf Vermehrung der Gattung gerichtet, sich 
fileichsam vom übrigen Körper sondert und daher, ungestört 
durch das heftigste Erkranken, dieser doch seine selbstständige 
Thätigkeit fortsetzt. Nach der Entbindung trat einige Ruhe ein 
and die Convulsionen setzten mehrere Stunden ganz aus, doch 
das Bewusstsein kam nicht wieder und die Entbundene lag mit 
halb offenen Augen in tiefem Sopor, aus dem sie nichts wecken
	        
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