Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
•Arzt vor, der schon lange die Geburtshülfe ausübte. Dieser 
hatte sich schon die Nacht hindurch, doch fruchtlos, abgemüht, den 
K.opfstand zu verändern. Die Kreissende lag in einem kleinen 
Stübchen, von einem spärlichen Kissen unterstützt, aut ebener 
Erde und in der angescnwollenen, heiss anzufühlenden Scheide 
fand sich eine Smeilie’sehe Zange mit Levret’schen Griffen 
Und zwar ungeschlossen. In solcher Lage hatte sich der Ge 
burtshelfer fruchtlos abgemüht und, wie die Hebamme angab, 
die abgleitende Zange, zum Leidwesen der Kreissenden, immer 
wieder von Neuem angelegt. Da es so jedoch nicht ging, gab 
er der Person eine andere Lage. Der Schwangerer, ein stäm 
miger Hausknecht, musste nämlich die Geliebte, Behufs der 
Weitern Operation, aut den Schooss nehmen. Da es aber trotz 
dem dem Geburtshelfer unmöglich war, von vorne zum Ziele 
zu kommen, machte er nun eiuen Versuch von hinten. Zu dem 
Ende musste die Kreissende, auf Knie und Ellbogen gestützt, 
auf die Erde kauern, um sich so die Zange beibringen zu las 
sen, was aber eben so wenig, als früher glückte. Völlige Er 
schöpfung des Geburtshelfers nach so grossen Anstrengungen 
brachte Pat. wieder in die Rückenlage und den Verf. an ihre 
Seite. In der Stube war kein Bett und auch nicht das Ge 
ringste zu einer andern, als der Lage auf dem Stubenboden. 
Für diese zu sorgen, war dem Verf. das Erste. Die Zange 
■wurde entfernt und nachdem 4 Stühle, je 2 und 2, zusammen 
gestellt waren, liess H. darauf das von der Hebamme niitge- 
brachte Geburtskissen legen und durch herbeigeschaffte Betten 
so viel zur Unterstützung des Kreuzes, Rückens Und Kopfes 
Verwenden, als zu recliuirter Lage der Kreissenden nöthig war. 
Die Füsse stützten sich auf den für den Verf. bereiteten Sitz. 
Der Kopf war noch auf dem Beckeneingange, doch gut gestellt 
und im Eintritt begriffen, vor Allem aber forderten die höchst 
gereizten Geburtstheile, aus denen blutige Jauche drang, die 
Erschöpfung der Kreissenden und der hohe Kopfstand Berück 
sichtigung. Einige Erholung, vielleicht schon die zweckmässi- 
gere Lage und Unterstützung der beistehenden Personen bei 
Verarbeitung der immer noch kräftigen Wehen brachten den 
Kopf schon allein ins Becken und bald könnt« H* eine 
gleiche Le vr et’sehe Zange anlegen. Die geschwolle 
nen Geburtstheile und die Erschöpfung der Kreissenden ver 
langten bei diesem Stande der Sachen durchaus ein Einschrei- 
len der Kunst. Die Kreissende bat aber dringend um scho 
nende Handhabung des Instruments, das ihr fortdauernde, nicht 
Zu beschreibende Schmerzen in der linken Inguinalgegend ge 
macht habe und war sehr froh, als H. mit ungleich geringeren 
Beschwerden sehr bald die Zange eingeführt hatte. Die Zaiige 
lag fest und gut. H. liess nun den vorhängenden Leib zuriiek- 
balten und benutzte jede Wehe zur Extraction des Kindes. Sehr 
bald wurde dann auch der Kopf und nachdem der Durchgang 
Siunniarimn d. Mediciu. 1836. XII. 32
	        
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