Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 43 
Fussohle nach aussen und aufwärts sah. Durch den durch 
bohrten Strumpf ragte die Gelenkfläche der Tibia hervor und 
alles war mit viel Blutgerinsel bedeckt. Die Kleider wurden 
entfernt und man sah eine Wunde, die von der Achillessehne, 
welche letztere nicht verletzt war, bis über die Mitte des 
Fussrückens reichte: dieWeichtheile der innern Seite des Fuss- 
gelenks waren also, wie mit dem Messer getrennt, zerrissen. 
Die Tibia war, w'ie schon angegeben, aus der Gelenkverbin 
dung getreten und das Wadenbein oberhalb des Knöchels ge 
brochen, Splitter Hessen sich nicht Anden. Die Blutung war 
nicht bedeutend. Man brachte nun die Verwundete, die we 
nig Schmerzen äusserte, ins Bett und denFtiss in eine passende 
Lage, reinigte das geöffnete Fussgelefik vom Blutgerinsel, brachte 
die zerrissenen Theile möglichst in Ordnung, legte einen einfa 
chen Verband an, machte kalte Umschläge und reichte innerlich küh 
lende Mittel. Da aber für Erhaltung des Fusses wenig zu 
hoffen stand, so bat I. den O. A. Arzt Dr. Lee hier Pat. 
zu besuchen, was Tags darauf geschah. Das Allgemeinbeßn- 
den war gut, die Verwundung hatte durch Aneinandergeklebt 
sein der Ränder das Schreckliche verloren und so ging denn 
Lechler’s Rath dahin, die Heilung zu versuchen. Die innere 
Behandlung übernahm er selbst. Zur Erleichterung der Kran 
ken wurde nun die Löffler’sche Schwebe, und da diese un 
passend war, später die Sauter’sche angewendet. Bis zum 
3. Tag ging es gut, dann trat heftiger Schmerz im Gelenk und 
gleichzeitig rothlaufartige Entzündung, von der Wunde ausge 
hend, ein, weshalb man die kalten Fomeotationen mit warmen 
vertauschte, worauf der Schmerz sich milderte. Die Entzün 
dung nahm jedoch nach einigen Tagen den ganzen Unterschen 
kel ein und erforderte daher nasse, warme Umschläge bis zum 
14. Tage, wo sich die Entzündung minderte und an der Bruch 
stelle des Wadenbeins beträchtliche Eitersammlung zum Vor 
schein kam. Gleichzeitig ßng nun auch die Wunde an, Eiter 
abzusondern, bis dahin wurde viel Gelenkschmiere entleert, 
die Wnndrander wichen aus einander und die Wunde sah wie 
der fürchterlich aus. Man öffnete die oben erwähnte Stelle und 
entleerte sehr- viel schlechten Eiter. Das Fieber war bis da 
hin sehr heftig, doch forderte der Puls nie Blutentziehung. 
Man verband die Wunde täglich mit Ung. Eletni und spritzte 
warmes Wasser in den geöffneten Eitersack. Anfangs der 4. 
Woche sanken die Kräfte sehr und Pat. magerte bedeutend ab. 
Zu dieser Zeit wurde nun wegen beginnender Senkung des Ei 
ters der Unterschenkel mit einer Zirkelbinde umwickelt und 
wegen schlechter Beschaffenheit des Eiters und zu starker Ab 
sonderung desselben wässriges Infus, aus aromat. Kräutern, als 
warmer Umschlag ums Fussgelenk, angewendet und nach ei- 
"\Sen Tagen mit Wein und China verstärkt. In den geöffneten 
Eitersack w'urden täglich Injectionen von jenem Aufguss ge-
	        
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