Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
und dann in Königsberg, vro er der pünctlichste Soldat war. 
Später fiel es jedoch auf, dass er, wider Gewohnheit, zuwei 
len beim Exerciren Missgriffe machte, z. B. statt sich rechts zu 
Wenden, links umkehrte, auch zu Zeiten den Posten verliess 
und auf ihn wieder zurückging, ohne sich einer Dienstwidrig 
keit bewusst zu seyn, wodurch er mehrmals in Strafe kam. 
Doch bewog die öftere Wiederholung dieser und ähnlicher Feh 
ler, bei früher anerkannter Diensttüchtigkeit, den Commandeur 
des Regiments ihn ärztlich untersuchen zu lassen. Dem damit 
beauftragten ßataillonsarzte äusserte Pat., dass der Kopf ihm 
oft verwirrt sei, wie einem Truukenen, dass er Augenblicke 
habe, in denen er nicht wisse, was er thue und die verwun 
det gewesene Stelle am Kopfe ihn bisweilen heftig schmerze. 
Auf Bericht des Arztes, der ihn für nicht geeignet zum Mili- 
tairfelddienste erklärte, lehnte er jedoch den Abschied ab und 
blieb, auf dringendes Bitten, ferner beim Bataillon, wo man ihn 
mit grosser Nachsicht behandelte. Später kam das Regiment 
nach Münster. Auf dem Marsche dahin war Pat. häufig ganz 
geistesabwesend, besonders in den heissen Juli-Tagen, auch 
fehlte er uicht selten beim Ausmarsche, fand sich aber bald 
nachher, unter dein Vorgeben, die Zeit verschlafen zu haben, 
wieder ein. Dieser uubestimmte Zustand blieb sich gleich bis 
zum Herbste 18J8, wo das Bataillon nach Soest kam, dann 
aber klagte er oft über Magenschmerzen und Appetitlosigkeit, 
die indess immer bald wieder beseitigt wurden. Am 5. Febr. 
1819 kam er, angeblich wegen gastrischer Beschwerden, aber 
mals ins Spital. Tags darauf war der Kopf sehr eingenommen 
und der Puls sehr voll. Nach Aderlass, Mi.rt. nilros. etc. 
Wurde der Kopf zwar freier und Pat. w ollte sich am 7. Febr. 
Früh 10 Uhr ziemlich wohl befinden, doch halb 12 Uhr trat 
plötzlich Raserei ein, in der er mit Gewalt aus dem Bette 
springen wollte, worauf, noch ehe man helfen konnte, der Tod 
upoplectisch erfolgte. Alle Wiederbelebungsversuche blieben er 
folglos. Bei der Section fand man an der linken Seite des 
Stirnbeins ein rundes, diesen Knochen durchdringendes Loch, 
das eiterähnliche Jauche ausfliesseu liess. Nachdem man die 
^ordere -Hälfte des Schädelgewölbes durch die Säge getrennt 
hatte, bemerkte man an der innern Fläche des Stirnbeins, dem 
Loche gegenüber und im Umfange desselben, eine beträchtliche 
Fiterablagerung, an deren abhängigstem Theile die Dura ma- 
ff»* durchbrochen war. Durch diese Oeflnung hatte der Eiter 
s ich einwärts Weg gebahnt und die linke Hirnhemisphäre über 
schwemmt. Bei Untersuchung des Eiterdepots fand inan in dem 
selben , als Ueberreste der vor 6 Jahren erlittenen Schussw unde, 
noch mehrere, zusammen 14- Drachmen schwere Bleistückchen, 
die zweifelsohne den sehr langsam fortschreitenden Entzün 
dung*- und Eiterungsprocess unter dem Stirnbeine mit allmäh- 
lig zunehmender Abtrennung der Dura mater und Durchreissen
	        
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