Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

474 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
getroffen. Auf sein Jammern wurde er aufgehoben und in ein 
Haus gebracht, worauf er noch den Weg zur Schule antrat, 
doch, nachdem er eine kurze Strecke gegangen, kehrte er, we 
gen heftigen Kopfschmerzes, allein nach Hause zurück und 
legte sich zu Bette. Abends trat Bewusstlosigkeit ein. Der 
Tags daraui früh um 10 Uhr dazugekommene Arzt fand eine 
grosse Beule am Kopfe, spaltete dieselbe durch Kreuzschnitt und 
nahm allgemeine und örtliche Blutentziehung vor. Am 2. Tage 
nach der Verletzung starb der Knabe. Bei der Section sah 
man eine Fissur der Hirnschale, die vom linken Scheitelbeine 
durch die Schlafbeinschuppe unter dem Jochbügen hinab und 
weiter durch den grossen Keilbeinflügel bis zur Augenhöhle 
nach vorn ging und überdiess unter dem Schädelgewölbe zwi 
schen diesem und der abgetrerntem harten Hirnhaut ein längs 
dem Risse bis in den Grund der Hirnschale sich heraberstrecken 
des beträchtliches Extravasat von geronnenem Blute. — 3) 
Tod durch exsudative Meningitis und Leberab- 
scess; vom Bataillonsarzte Hellwig in Wesel. Ein 48jahri- 
ger Musketier von kleiner Statur, beschränktem Geiste, dem 
Trünke sehr ergeben, aufgeschwemmt, an Verdauungsstörungen, 
Trinkhusten und chronischem Rheumatismus leidend, stürzte am 
1. Dec. im Rausche von einer hohen steinernen Treppe rück 
lings über mit dem Hinterhaupte auf das Steinpflaster und blieb 
bewusst - und regungslos liegen. In diesem Zustande w urde er 
ins Lazareth gebracht, wo ihn K. ausgestreckt, ohne Bewusstsein 
und Bewegung mit blassem Gesichte, kühlen Extremitäten, träger 
Pupille und kleinem, frequentem Pulse liegend fand. Am Kinter- 
kopfe, Zoll vom äussern Hinterhauptshöcker, sah man eine 
querlaufende gequetschte, die Kopfschwarte durchdringende 
Hautwunde, durch die die Sonde w eder Entb’össung, noch Ver 
letzung des Knochens wahrnahm. Man beseitigte die Symptome 
der Hirnerschütterung durch äussere Reizmittel, der Verunglückte 
bekam Besinnung, Gefühl und Bewegung wieder, der Puls 
hob sich, dieW'angen rötheten sich, und die Hautwärme kehrte 
zurück. Dies Wohlbefinden bildete jedoch nur den Uebergang 
zum entgegengesetzten Zustande, denn Abends trat Fieber mit 
heftigem Kopfschmerz, hoher Gesichtsrölhe, gerötheter Binde 
haut, hartem, frequentem Pulse und einiger Betäubung ein. 
'Durch mässigen Aderlass, künstliche copiöse Darmausleerung, 
kalte Umschläge um den geschorenen Kopf, eine Mixt, nilrosa 
c. Natro. suJph. Ph. mil. und aus Weinstein rahm bereitete 
Limonade wurde diese Aufregung so weit herabgestimmt, dass 
bei fortgesetzter gelind entzündungswidriger und die Dannse- 
cretion fördernder Behandlung in wenigen Tagen das Fieber 
sich legte und der Kopf ganz frei wurde. Die mit trockener 
Charpie verbundene Hinterhauptswunde heilte bald uud Pat. 
w ar bei ungestörter Hirnfunction bis auf Schwäche anscheinend 
gauz hergestellt. Bei schmalem Ilegim hatte er glücklich den
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.