Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

468 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
sern Gegenden) durch häufig und auf rohe Weise ausgeiibteu 
Beischlaf und durch Unreinlichkeit, welche die Mutterscheide 
zu einer Kloake gestaltet, ins Dasein gerufen wird. Auf diese 
Weise erzeugt, pflanzt sich das Contagium fort, und es erhellt 
hieraus die Nothweudigkeit, die Lustdirne, welche, oft halb 
berauscht, an einem Abende 6—10 wilden Gesellen nach ein 
ander zu Willen war und in den Zwischenacten weder Zeit 
noch Lust hatte, ihre Geschlechtstheile von dem zurückgelasse 
nen Unflathe zu säubern: also die ersten Bedingungen zur Er 
zeugung des Lustseuchegiftes giebt, oft und sorgfältig zu unter 
suchen und ihr die grossen Nachtheile vernachlässigter Reini 
gung ans Herz legen. Allein weit häufiger, als die spätere 
Entwickelung des Venusgiftes in den Lupanarien ist die Ein 
schleppung desselben in jene, und daher ist noch weit nothwen- 
diger und der Mühe lohnender, auch die männlichen Vögelchen, 
welche in den Käfig hineinfliegen, bevor sie gemessen, zu un 
tersuchen und sie, bei vorhandenem Verdachte, an der Schwelle 
mit ihrem Gelde abzuweisen. Die Ausführung dieser Maass 
regel ist nicht so schwer, als es anfänglich scheint, und wird 
inehr Nutzen bringen, als man zuvörderst hoffen dürfte. Die 
Untersuchung der Venusritter braucht nicht und soll nicht von 
dem Arzte, sondern kann von der Lustdirne selbst effectuirt 
w’erden. Während sich bei dem Mädchen, wegen des bekann 
ten Baues seiner Geburtstheile, die Ansteckung nicht jedes Mal 
leicht entdecken lässt, äussert sich die Syphilis beim Manne an 
Organtheilen, die der Beschauung zugänglich sind. Der Trip 
per, der aus der Mündung des Penis tröpfelt; die Feuchtwarzen 
an den Genitalien oder an andern Theilen; der Bubo in der In 
guinalgegend; das Chancregeschwlir am Praeputio, an der Ei 
chel, am Frenulo, an der Harnröhren-Mündung und selbst im 
Halse; die Exostosen und andere AeUsserungen der Syphilis —• 
sind an dem Körper des Mannes überall sichtbar und es gehört 
wenig, selbst bei einer Lustdirne vorauszusetzende Capacität 
dazu, sich über diese Uebel belehren zu lassen und sie durch 
Hülfe treuer Abbildungen erkennen zu lernen. — Lässt nun 
das Mädchen keinen Mann zu, der venerisch verdächtig ist, so 
wird dadurch die Verbreitung der Syphilis merklich verhütet. 
Wird die Dirne bei der Untersuchung dennoch für unrein be 
funden, so ist sie odty: auch der Halter des Hurenhauses um so 
mehr in Verantwortung zu ziehen; denn er soll dafür Sorge 
tragen, dass die Dirne nicht zu oft und nicht zu rasch aufein 
ander mit vielen Personen concubire, dass sie ihre Geschlechts 
theile gehörig, und zwar mit einer Mutterspritze und mit dazu 
geeigneten Flüssigkeiten, und oft genug reinige und dass sie 
nur gesunde Männer umarme. — Es werden Stimmen verwen 
det, um verheerende Seuchen abzuhalten und im Keime zu er 
sticken; es muss uns daher auch angelegen seyn, eine Krank 
heit von unserem Boden zu verweisen, die im Verborgenen
	        
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