Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 467 
aussereheliclien Beischlaf mit mildern Augen betrachten wird, 
nicht mehr fern seyn werde, vermag ich nicht zu bestimmen; 
aber so viel ist gewiss, dass kein Gesetz den Begattungstrieb 
zu unterdrücken vermag. Das Buch der Weltgeschichte liegt 
vor uns aufgeschlagen, wir sahen die Hierarchie alle Strenge ge 
gen die Folgen des aussereheliclien Beischlafs handhaben; allein 
sie hat nichts ausgerichtet, vielmehr geschadet, wie jedes heroi 
sche Büttel, welches den Zweck verfehlt, in seiner Wirkung 
schaden muss. Menschenfreundliche Aerzte haben Beförderung 
der Ehen als das sicherste Blittel gegen Hurerei empfohlen; 
allein die Zahl der Hagestolzen wird stets grösser und muss 
es werden, da der mit jedem Lustrum steigende Luxus und der 
stets kostspieliger werdende Haushalt das Heiratheu verbietet, 
und der junge Blann namhafte Stimmen erschwingen muss, um 
ausser sich noch Frau und Kind standesmässig zu ernähren. 
Und sieht sich endlich der Unbegüterte dahin gestellt, so zählt 
sein Leben nun 30 und einige Jahre, ob er wohl hei einem 
hitzigen Blute, lebhaftem Temperamente und gesundem, kraft 
vollem Körper seine Keuschheit so lange gegen heftig andrin 
gende Begierden bewahrt hat? — Der ausserelieliche Beischlaf 
ist gewiss nicht ganz zu verhüten und daher duldet man die 
sogenannten Lupanarien und beaufsichtigt sie. Dies letztere ist 
unerlässlich, denn gerade die Lupanarien, diese Spelunken 
menschlicher Erniedrigung, sind der Heerd des venerischen Zun 
ders; allein die Art und Weise der Beaufsichtigung ist nicht 
genügend. Die Lustdirne, welche bei der Besichtigung als 
rein befunden wurde; umarmt unmittelbar darauf einen mit Sy 
philis Behafteten, wird angesteckt und trägt den Samen auf 
18 — 20 Gesunde über , welche Geschmack daran fanden, in 
solche Pfütze zu tauchen. Was half die Untersuchung? Wäre, 
zur Verhütung weiterer Ansteckung, nicht nöthig, nicht Uner 
lässlich, die Lustdirne nach jedem Concubitus, zu dem sie 
sich missbrauchen Hess, zu untersuchen? und wenn dies mög 
lich w äre, würde dem Zwecke auch dann entsprochen, wenn das 
venerische Gilt, welches noch in den Falten ihrer Genitalien 
sitzt, nicht erkannt wird, da es seine Wirkung noch nicht sicht 
bar geäussert hat, aber dennoch auf den nächsten Cavalier über 
getragen werden kann? — Die Contagien sind als solche von 
der Natur nicht geschaffen; sondern in letztere legte die All 
macht den Keim zu allem Guten, wie zu jedem Bösen, und 
überliess es dem Blenschen, jenen zu wecken und diesen in 
seinem latenten Zustande zn lassen. Ich habe meine Ansich 
ten über den Ursprung der Contagien anderwärts (im 3. Sup- 
plementb. zu P. Frank’s Syst. ein. med. Polizei. Lp. 1827. 
S. 394 — 405.) kürzlich mitgetheilt, und bemerke hier blos, 
dass die Contagien unter dem Zusammentreffen gewisser Ver 
hältnisse sich spontan entwickeln und dann fortpflanzen. So 
auch das Contagiuin der Syphilis, welches (vorzüglich in heis- 
30 *
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.