Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 453 
längern Zügen athmen könne. Um dieselbe Zeit bekam er aber 
reissende und krampfhaft zusammenziehende Schmerzen in bei 
den Waden, vorzüglich in der rechten und sehr empfindliches 
Heraufziehen der Achillessehne derselben Seite. Diese Schmer 
zen hielten die ganze Nacht an und wurden nicht eher geringer, 
als bis 2 fast vertrocknete Vesicatorwunden wieder mit Ung. 
Gunthar, aufgezogen worden waren. Von da an begann die 
Convalescenz und nie wurde die Brust wieder bedeutend einge 
nommen, ob sich gleich der frühere Friesei an den Unterschen 
keln eben nicht sehr vermehrte, sondern zugleich init dem Aus 
schläge an den andern Theilen des Körpers allmähüg zu ver 
schwinden anfing. Appetit, Schlaf und Kräfte kehrten zurück 
und obgleich anhaltende Schwäche und Schmerzen in beiden 
Unterschenkeln, besonders in der rechten Achillessehne, so wie 
auch Oedetn der Füsse einen Monat die Convalescenz verzöger 
ten, so genas Pat. doch alhnählig ganz. Wie sehr spricht die 
ser Fall für das bekannte: int er surus et pectus magnus Con 
sensus. [Med. Zeit, vom Vereine für Heilk. in Pr. 1836. 
Ar. 47.] 
220. Hydrophobie; vom Prof. Dr. Wolff in Berlin. 
Ein 31 jähriger krältiger Tagelöhner wurde vor 6 Wochen, als 
er auf einem Gute bei Berlin einen der Wulh verdächtigen 
Hund anbinden sollte, von diesem gebissen. Die unbedeutende 
Wunde fand sich dicht oberhalb des linken Mundwinkels und 
"wurde, nachdem sie durch Waschen mit Wasser gereinigt war, 
sich selbst überlassen. Sie heilte auch, fast ohne zu 1 eitern, in 
8 Tagen und liess eine sehr kleine, kaum über die umgebende 
Haut hervortretende Narbe zurück. Unbesorgt ging der Gebis 
sene seinen Arbeiten nach und zwar um so mehr, als des Hun 
des, den man gleich todt geschlagen, keine weitere Erwäh- 
nnng geschah und das Befinden nicht die geringste Verände- 
rung zeigte. Vermehrung des Geschlechtstriebes hatte Pat. nicht 
'Wahrgenommen, nicht ein Mal in den letzten Tagen vor Aus 
bruch der Hydrophobie, so wie denn auch während derselben 
keine darauf bezügliche Aeusserung wahrgenommen wurde. 
Nach ruhigem, festem Schlafe erwachte der Mann am 14. Juli 
früh mit Gefüllt von Missbehagen, Zerschlagenheit der Glieder 
u,, d Unlust zur Arbeit. Gegen den gewohnten Kaffee empfand 
® r unbezw inglichen Widerwillen und beschränkte, bei Unmög- 
kchkeit zu trinken, sein Frühstück auf Brot, das er mit gu- 
t*ni Appetite ass. Gegen Mittag ging Pat. nach Berlin, um 
einen Arzt zu befragen. Hier augekommen, äusserte sich sein 
■Abscheu gegen ihm zufällig angebotenes Wassers so ungestüm 
u «d auffallend, dass dadurch zunächst genauere Erforschung der 
Ursache und des Verlaufs der Krankheit veranlasst, somit die 
Diagnose festgestellt und Pat. ohne Weiteres in die Charite ge 
schickt wurde. Bei seiner Ankunft, 51- Uhr Nachmittags, ver- 
rieth er nichts, was sei« schreckliches Uebel hätte ahnen lassen.
	        
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