Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

II. Materia medüca und Toxikologie. 
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Hause auszuziehen, was denn auch befolgt wurde und worauf 
schon nach 2 Tagen die erwähnten krankhaften Symptome 
sämintlich verschwunden waren. — Der zweite Fall der Art 
war merkwürdiger und hatte schlimme Folgen. Er kam auf 
einem Bauergute vor und betraf eine 70jährige Frau und ihre 
16jährige Enkelin. Beiden fiel es ein, wegen der grossen Kälte 
in einem geheizten Zimmer zu schlafen und sie Hessen daher 
ihre Betten in ein neugemauertes und frisch gevveisstes, noch, 
nie bewohntes, heizbares Zimmer bringen. Abends zuvor wurde, 
und zwar das erste Mal, in diesem Zimmer stark geheizt, wor 
auf sich beide um 9 Uhr zu Bett legten. Als sie am andern 
Morgen zur gewöhnlichen Zeit nicht erschienen, sah der Bauer 
nach, ob ihnen vielleicht etwas fehle. Er fand die Thür ver 
schlossen, rufte und kloplte — doch Niemand hörte. Man 
sprengte nun die Thür ein und fand Grossmutter und Enkelin 
wie folgt: Erstere lag, ohne alle Lebenszeichen, im Bette, al 
les Rufens, Rüttelns etc. ungeachtet blieb sie leblos liegen, die 
Extremitäten waren kalt, etwas steif, die übrige Haut warm. 
Da die Wände ganz nass und die Hitze darin gross war, so 
öffnete man einige Fenster und erst, nachdem dieselben einige 
Zeit ofFen waren und man die Alte mit Wasser, Essig etc. stark 
besprengt hatte, fing sie an, schwach Athem zu schöpfen, 
blieb sich aber sonst gleich. Bei dem Mädchen nahm man 
dieselben Zufälle währ. Bis auf schwaches Athmen, dass man 
bei ihr gleich anfangs bemerkte, gab sie sonst kein Lebens 
zeichen von sich und hatte beide Augen geschlossen. Man 
schickte sogleich nach Z., da aber derselbe die Kranken nicht 
gleich selbst sehen konnte, so verordnete er ihnen, da alle 
Symptome für grosse Depression des Nervensystems sprachen, 
Inf. rad. Valer. mit Naphth. Vitriol, und Liq. C. C. succ., 
Vesicatore auf Brust und Waden, Sinapismen auf die Fuss- 
sohlen und hiess sie möglichst bald in ein anderes Zimmer 
bringen. Nachmittags land er das Mädchen bereits besser; die 
äussern Mittel hatten gewirkt, die innern w aren zur Hälfte ge 
nommen und sie konnte sich schon wieder bewegen und reden, 
sich jedoch des Geschehenen nicht erinnern. Die Alte dagegen 
zeigte totale Depression des Nervensystems, hatte durchaus keine 
Medicin nehmen können, weil ihr das Schlucken nnmöglich 
war, Urin und Koth waren unfreiwillig abgegangen, sie lag 
ganz hülflos auf dem Rücken, der Athem war schwach, das 
Gesicht eingefallen, die Augen geschlossen, die Nase spitz, der 
Puls schwach, langsam, die Haut kühl, die äussern Mittel hat 
ten gar njdtt gewirkt und schon nach einer Stunde trat der Tod 
ein. Das Mädchen befand sich am 3. Tage w ieder ganz wohl. 
— Was nun die Wirkung solcher durch Einheizen bewirkten 
Ausdünstungen aut den Körper betrifft, so ergiebt sich aus dem 
Mitgetheilten unverkennbar, dass die Hauptw irkung solcher Aus 
dünstungen eine deprimireude auf das Nervensystem sey. In
	        
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