Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

428 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
Last zu tragen und sie zu verheimlichen. Seit Dec. 1835 aber 
nahmen Umfang und Gewicht der Geschwulst unausgesetzt so 
bedeutend zu, dass dieselbe mit einem Gewichte von wenigstens 
12—14 Pfunden bis an die Kniee herabhing und I’at. endlich) 
gesonnen, sich eben so heimlich von ihrem Uebel zu befreien» 
als sie dasselbe getragen, zu einein verzweifelten Entschlüsse kam- 
Am 13. Marz 1836 schritt sie Nachmittags, als alle die lhri- 
gen abwesend waren, zur Ausführung ihres Vorhabens. Sie 
legte uin den obern Theil der Geschwulst ein Bändchen und 
schnürte dies möglichst fest zusammen. Dann nahm sie ein Ba- 
sirmesser, schnitt mit demselben ungefähr in der Mitte der Ge 
schwulst an einer Stelle, die sie ihrer geringen Empfindlichkeit 
wegen gewählt hatte, herzhaft ein und trennte mit mehrere» 
Messerzügen etwa die Hälfte der Geschwulst vollkommen ab. 
Es erfolgte dabei ziemlich heftige Blutung aus der Wundfläche 
des noch am Körper hängenden Theils und erst einige Stunde» 
nachher fand man die Frau erschöpft im Blute schwimmend. 
Uebrigens stand die Blutung auf kaltes Wasser ganz. Den nächste» 
Tag wurde K. zu dieser Frau gerufen, die sehnlichst wünschte, 
dass die von ihr begonnene Ausrottung der Geschwulst durch 
ihn vollendet w erden möchte. Die Untersuchung ergab Folgen 
des : von der grossen Schaamlippe rechten Seite hing, bis zur 
Mitte der Oberschenkel reichend, der Best einer Geschwulst, 
die oben als unmittelbare Verlängerung der Schaamlippe schmä 
ler erschien, nach unten zu aber breiter wurde. Diese Masse 
war mit einer Fortsetzung der aussern Haut bedeckt, in die 
nach innen und oben die Schleimhaut der inner» Seite der 
Schaamlippe überging; denn durch das Gewicht der Geschwulst 
herabgezogen, hatte sich diese innere Haut so ausgedehnt, dass 
sie 3—4 Querlinger herabreichte und dass, obgleich zur äussern 
Haut geworden, doch die Grenze derselben durch röthere Fär 
bung und grössere Feinheit sich wohl unterschied. Hier lag 
ein Bändchen so lose uin die Geschwulst gebunden, dass man 
mit 2 Fingern zugleich zwischen ihr und dem Bändchen leicht 
eindringen konnte. Nach unten bot die Masse eine grosse, et 
was unebene Wundfläche von speckigem Aussehen dar, [deren 
Hautränder ungleich, gezackt waren und aus der fettartige Flüs 
sigkeit sickerte, die das Bett ganz durchnässt hatte. Der be 
reits von der Geschwulst abgeschnittene Theil entsprach mit sei 
ner Wundfläche derjenigen des noch mit dem Körper zusammen 
hängenden Theils, hatte aber, wie Pat. angab, durch Aus' 
sickerung ähnlicher Flüssigkeit seit seiner Trennung wohl das 
halbe Gewicht und an Umfang ebenfalls sehr verloren. Nach 
dieser Angabe dürfte diese Geschwulst früher an Gestalt und 
Grösse der ähnlich gewesen seyn, die v. Walther in seinem 
Werke über Fetthautgeschwülste auf der ersten Tafel abbilde» 
liess, mit dem Unterschiede, dass jene abgebildete von einet 
breitem Basis an der Hälfte ausgiug, während diese, deren
	        
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