Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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II. Matena medica und Toxikologie. 
{»ross und corpulent, hatte früher die Kinderkrankheiten leicht 
iiberstanden und wurde im 20. Jahre Köchin. Man sah es ih 
ren Augen bald an, dass sie oft entzündet gewesen seyn muss 
ten und die Entzündung war wohl dem ganzen Habitus nach 
scrophulöser Natur gewesen. Ausser diesem Augenübel, das sie 
mehrmals in früher Jugend gehabt haben wollte, erinnerte sie 
sich keines andern, das nur irgend auf Scropheln gedeutet hatte. 
Kaum war sie 1 Jahr Köchin, als sich Brustall'ectionen mit Blut 
husten einstellten, die nach Blutegeln und andern Mitteln von 
dem sie behandelnden Arzte beseitigt wurden, der diese Be 
schwerden mehr der unregelmässig und sparsam sich einftnden- 
den Periode zuschrieb. Dies Uebel hatte sich nachher 2 Mal 
wiederholt, als sie sich 1812 mit einem Tischler verheirathete. 
Ohne dass man an ihr ein Leiden der Art wieder bemerkte, ge 
bar sie 3 Kinder, denen sie selbst die Nahrung in reichster 
Fülle bieten konnte. Nach Entwöhnen des letzten Kindes stell 
ten sich aber bald wieder Brustbeschwerden ein, die eine Krank- 
heitsentwickelung vorhersehen liessen, welche früher oder spä 
ter zum Tode führen musste. 1818 wendete sie sich an T. 
Die Brustaffection wurde bald durch allgemeine und örtliche 
Blutentziehungen gehoben, kehrte aber jährlich wieder und 
1821, wo sie so bedeutend litt, wie früher noch nie, bat der 
Verf. den verstorbenen Albers, die Frau ein Mal näher anzu- 
seheii. Nach genauer Untersuchung hielt er dafür, dass Pat. 
nur noch wenige Tage leben könne. Blutentziehungen durch 
Schröpfköpfe in reichlicher Menge minderten den Entzündungs- 
process so, dass T. nicht, weiter Anstand nehmen konnte, Blei 
mit Opium zu geben, wovon er bei dieser Kranken früher schon 
die beste Wirkung gesehen hatte. Die Kranke besserte sich so, 
dass sie wider alles Erwarten erklärte, nun wohl völlig von 
ihrem Uebel befreit zu seyn. Das zurückgebliebene, von kei 
nem Schmerz und nur mit wenigem Auswurf begleitete Hüsteln 
hielt sie, wie so viele Schwindsüchtige, für gar nichts ivrank- 
haftes. Bei dieser Frau, wo sich Blutungen aus den Lungen 
fast alljährlich, besonders im Frühjahre, mit entzündlichen Lei 
den derselben einstellten, hat sich das Blei, nachdem der rein 
athenische Zustand in den Lungen durch die bekannten Mittel 
beseitigt war, immer ausserordentlich wohlthätig erwiesen. Sie 
(Starb endlich 1829. Bei der Section fanden sich von den Lun 
ten nur noch wenige Reste. Die rechte Lunge, die noch am 
substanzreichsten war, zeigte deutliche Spuren früherer Vernar 
bungen, das übrige aber w ie mehr hepatisirt. Die linke war 
durch Eiterung wie fast ganz geschwunden. Den leer gewor 
dene Theil der Brusthöhle füllte eine eiterartige Flüssigkeit aus. 
Diesem Befunde Hesse sich wohl das Resultat entlehnen, dass 
diese Frau, die länger als 12 Jahre an tuberculöser Schwind 
sucht gelitten, einen Theil ihres Lebens durch Anwendung des 
Bleis gewonnen habe. Die Narbenbildung, die, wie erwähnt,
	        
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