Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

340 II. Materia medica und Toxikologie. 
Z. in Berlin. Wenn von der Rad. Ariern, vulg. in Folge der 
ersten, nach ihrer Bekanntwerdung als Antiepilepticum im J. 
1824 an verschiedenen Orten über ihre Wirksamkeit gemach 
ten Beobachtungen, wohl hier und da zu hohe Voraussetzun 
gen von unfehlbarer und specifischer antiepileptischer Heilkraft 
entstanden Maren, die schon von vorn herein sich hätten als 
unstatthaft darstellen können, so ist es wohl erklärlich, dass 
diese allzulebhaften Envartungen nur zu bald in das noch ta 
delnswertere gegenteilige Extrem übergingen, dafern das aus des 
Verfs. zahlreichen Beobachtungen sich ergebende Resultats eines 
durchschnittlichen Heilungsverhältnisses von 1:6 auf die 
meist doch nur geringe Zahl der in der gewöhnlichen Praxis 
vorkommenden Fälle von Epilepsie, mit Einschluss der nächst 
verwandten Formen, nach den Regeln der Wahrscheinlichkeits 
rechnung vertheilt wird. Wer mag es dann dem Practiker ver 
argen, der ein Uebel mit einem gegen dasselbe kürzlich empfoh 
lenen Mittel ganz nach Vorschrift sorgsam, doch ohne allen Er 
folg, 7 Mal behandelte, wenn er, den 8. Versuch verschmä 
hend, ein solches Mittel verwirft. Die Möglichkeit eines sol 
chen tatsächlichen Zusammentreffens liegt aber im erwähn 
ten Zahlenverhältnisse, während dagegen viele Andere wohl 
3 Fälle unter 5 durch alleinige Benutzung dieses Mittels glück 
lich heilten, wodurch also das oben angegebene Urteil nur 
noch subjectiv zu rechtfertigen ist und dieses Mittel hin 
sichtlich der wesentlichen Heilbeziehung zur Epilepsie jedes 
andere bisher dagegen bekannte übertrifft. Auch muss 
man bei der grossen, nur mit Lebensaltern messbaren Lang- 
wierigkeit und öfteren Hoffnungslosigkeit der Epilepsie, ge- 
M’iss M'eniger als es unter andern 'Umständen der Fall seyn 
würde, in Anschlag bringen, dass in prognostischer Beziehung 
Auswahl und Bestimmung aller einzelnen, für erfolgreiche An- 
wendung dieses Mittels geeigten Fälle mehr auf einem, den 
Totalzustand richtig auflassenden practischen Tacte, als auf spe- 
ciell herauszustellenden Indicationen beruht, ja dass selbst der 
in Anwendung dieses Mittel Geübte bisweilen die Erwartungen 
von demselben getäuscht oder übertroffen sieht. Es ist dies mehr 
Folge der Unbekanntschaft, in der mau sich in Betreff der Grund 
bedingungen dieser Uebel befindet, als ihrer bei wirklicher Unbeil- 
barkeit doch oft durch leichtere äussere Form täuschenden Erschei 
nung; (erfahrungsgemäss ist es, dass gerade die am schwersten sich 
äusserlich darstellenden Fälle am leichtesten und sichersten durch 
Artemisia geheilt werden) als innere Unzuverlässigkeit des Mit 
tels. Doch hat man bereits für die Verhältnisse dieses Mittels 
zu den meisten Formen der Epilepsie und Eclampsie genügende 
und sichere Specialanzeigen und die Wahrscheinlichkeit liegt 
nahe, für die noch übrigen Formen, so weit sie diagnostisch 
festgestellt werden können, eben dergleichen, theils negativer, 
theils positiver Art, aufzufinden. Bei dieser Gelegenheit kann
	        
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