Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

28 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
sehen Geschwüres erhalten kann, den Kranken, welcher, wenn, 
eines wahrhaft venerischen Geschwüres wegen, eine bei wei- 
tem längere Zeit zur Cur erforderlich ist, schnell ungeduldig , 
wird, den nun behandelten Arzt, welchem, eben dieser Un- j 
geduld halber, sein Geschäft noch beschwerlicher und verdriissli- , 
eher gemacht wird, als es ohnehin schon ist, und endlich jenen s 
Schnellkünstler selbst, den man, aus Achtung für die mensch- ] 
liehe Neigung, lieber für schlecht als dumm zu gelten, für einen 
Charlatan zu halten gezwungen ist. Da nun ein auf so schwan- < 
kende Stützen gebautes Renomme'e nicht von langer Dauer ist, ] 
noch seyn kann, um so weniger, als gewiss jeder erfahrene , 
Arzt des Kranken Mittheilung unterbrachen und ihm entgegnen , 
wird: Die Geschwüre, welche N. N. in so kurzer Zeit geheilt , 
habe, seien durchaus keine syphilitischen gewesen, und wür- t 
den von selbst ebenso schnell verschwunden seyn, so wäre es 
gewiss, sowohl für diese Schnellärzte selbst, als auch für die 
Menschheit und Wissenschaft gerathener, wenn sie sich lieber 
um die Diagnose der fraglichen syphilitischen Geschwüre ein 
Verdienst zu erwerben suchten, und wir glauben, dass es für 
zweifelhafte Fälle kein sichereres Mittel giebt, als das ausgespro-' 
ebene. Die Inoculation ward bekanntlich, um die Identität des i 
Trippers und der Lustseuche zu bestätigen, schon von Harri- i 
ßon, Hunter und Bell vorgenommen, welcher letztere jedoch ] 
eben hierdurch, durch die den erwarteten entgegengesetzten Re- i 
jsultate, seine frühere Theorie aufgab, und die Ueberzeugung 
gewann, dass beide Krankheiten von ganz verschiedener Natur 
isind, so wie auch später von Cooper, Ricord, Eisenmann, i 
IRuef, Cullerier etc. angestellt wurde, und immer zu Gunsten 
der Nichtindentität ausfiel. Ohne diese Vorgänger würde ich die 
Mittheilung von dem Resultate meiner wenigen Versuche, die 
stich nur auf 5 belaufen, für viel zu frühzeitig erachtet haben, 
so aber durfte ich sie wohl als einen Beitrag und als gleich 
zeitige Bestätigung des von den Letztem erhaltenen Ergebnisses 
veröffentlichen. In einem Falle impfte ich aus flechtenartigen 
Geschwüren der Vorhaut, in dem andern aus einer schmerzhaf 
ten, 2 — 3 Linien hohen Pustel, welche neben dem Bändchön 
sasis, und eine Leistendrüsengeschwulst nach sich gezogen hatte. 
Da die Inoculation ohne Erfolg blieb, verordnete ich gegen er 
stem, welche in gegenwärtigem Sommer, Jahr nach ihrem er 
sten Auftreten, wieder erschienen, und nach 9 Tagen eben so 
spurlos verschwanden, als früher, gar Nichts; in dem 2. liess 
ich die Pustel 2 Tage mit erweichenden Umschlägen behandeln, 
worauf sich die Entzündung verlor, eine stärkere Eiterung und 
nach 8 Tagen die Heilung erfolgte, womit sich gleichzeitig die 
Drüse setzte, ohne dass irgend eine anderweite ärztliche Ver 
ordnung in Anwendung kam. In den übrigen 3 Fällen entstan 
den 2 Mal am 5., 1 Mal am 7. Tage, nach vorhergegangener 
Röthung und Bläschenbildung auf den geimpften Stellen, Ge
	        
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