Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

316 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
dieseUrsacheu zusammengenommen, sie nicht hervorbringen kön 
nen, wenn die innere Disposition fehlt. So unbekannt diese 
aber auch ist, so steht sie doch zweifelsohne in bestimmter Be 
ziehung zur Schwangerschaft, denn ausser der Schwangerschaft, 
Geburt und Wochenperiode kommen diese Convulsionen beim 
Weibe fast gar nicht vor, ausser in der, der Schwangerschaft 
in gewisser Beziehung analogen Pubertätsentwickeluug; und 
der Verf. wenigstens hat in einer früher ausgedehnten geburts 
hilflichen Praxis nicht gesehen, dass die oft in hohem Grade 
sich während der Geburt erstellenden hysterischen Krämpfe 
schwächlicher, gradier Frauen sich je zur wahren Eclampsie 
gesteigert, oder vielmehr umgewandelt hätten. — Eine ursäch 
liche Gur reicht übrigens fiir die hohem Grade der Eclampsie 
schon deshalb nicht zu, weil das Uebel so schnell und stür 
misch verläuft, dass Pat. stirbt, noch ehe die Ursachen entfernt 
werden können. Wie überall bei dringender Lebensgefahr, tritt 
auch hier die Vitalindication in ihr unbestreitbares Vorrecht. 
Als solche aber bezeichnet die Natur selbst vorzugsweise die 
Beschleunigung der Geburt, und wenn man nicht läugnen kann, 
dass nicht selten dadurch allein, sei sie nun durch blosse Kraft der 
Natur oder prompte Hülfe der Kunst bewirkt worden, die 
Krämpfe vollkommen und spurlos gehoben w'erden, so erhebt 
sich diese Anzeige gewissennassen auch noch zur Causalindica- 
tion und dürfte wiederum beweisen, dass die Eclampsie in nä 
herer Beziehung zur Schwangerschaft und Geburt steht, als zu 
den sog. Gelegenheitsursachen, die übrigens schon in sofern nicht 
übersehen werden dürfen, als sie es besonders sind, wodurch die 
Krankheiten überhaupt so verschiedenartig modificirt und com- 
plicirt werden. — Die Ausstellungen gegen das Accouchcmcnt 
force erscheinen demnach wohl nicht geeignet, für die höhere 
Gefahr drohenden Grade der Eclampsia gravidarum einer In- 
dication das Anathem zu sprechen, die der Natur so treu ent 
nommen ist, dass sie sich durch alle medicinischen Systeme er 
halten hat. Diesen aus der Natur entnommenen Bemerkungen 
hängt R. aus seiner Praxis in Riga einen Fall an, der wohl 
nicht ohne Interesse ist. Eine 18jährige Frau von mittler Grösse, 
schlankem, wohlgeregeltem Baue und irritabler Constitution, 
die ausser den gewöhnlichen Kinderkrankheiten stets gesund 
gewesen und die Pubertät ohnei Beschwerden überstanden 
hatte, seit 10 Monaten verheirathet und im 9. schwanger war, 
ohne auch in der Schwangerschaft andere Beschwerden gefühlt 
zu haben, als öftere Hitze, besonders in den untern Extremitä 
ten, wovon sie sich in den heissen Sommertagen durch Gehen 
mit blossen Füssen auf kaltem Boden zu befreien gesucht, da 
durch aber sich öftere Blutwalluugen und Kopfschmerzen zuge 
zogen hatte, befiel am 23. August 1832 gegen Abend, nachdem 
sie zuvor noch ihre Arbeiten besorgt und etwas Knoblauchwurst 
mit grossem Appetit gegesseu hatte, so urplötzlich und unvor-.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.