Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

312 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
hen. Als M. Abends 8 Uhr die Frau sah, ergab die äussere 
Untersuchung den Leib massig ausgedehnt und den Uterus 
gespannt, empfindlich. Von Kindesbewegung und Kindes 
geräusch war nichts wahrzunehmen. Die innere Untersuchung 
zeigte die ganze Scheide von einem blumenkohlförmigen, wei 
chen Tumor ausgefiillt, der von der vordem Lippe des Mutter 
mundes entstand und dessen Basis hier 5 Z. Länge hielt. Um 
den vorliegenden Kindestheil zu erreichen, ging M. mit der 
Hand in die Scheide und fand im weit geöffneten Muttermunde 
das rechte Schulterblatt des Kindes gegen das Promontorium, 
das linke gegen die Symphyse gelegen: also eine wahre Rük- 
kenlage. Die ohne Mühe ausgeführte Untersuchung Mar der 
Frau höchst schmerzhaft. Nach diesem Befunde fragte es sich, 
ob man die Wendung ohne Entfernung des Tumors machen, 
oder den Fungus vorher entfernen sollte. Obgleich die Frau 
schwach und blutarm war, entschloss sich M. doch gleich zur 
Operation des Fungus, denn 1) M ar es durchaus zweifelhaft, ob er 
wegen des ungeheuren Schmerzes die Wendung ohne Entfernung 
des Fungus werde machen können; 2) hat die Erfahrung aller 
solcher Fälle bewiesen, dass Quetschung eines solchen Afterorgans 
nach der Entbindung schnell den Tod herbeiführt; 3) nach 
dem sich M. überzeugt hatte, dass die Operation im Gesunden 
noch eben möglich sei und da er an der hintern Lippe nichts 
Krankhaftes sah, nährte er die trügerische Hoffnung, so Radi- 
calheilung lierbeizuführen; 4) die Blutung fürchtete er durch 
aus nicht, da sie durch die nachfolgende Entbindung aufs Si 
cherste zu stillen war. Eben so unbesorgt Mar er wegen der 
Reaction des operativen Eingriffs fürs Wochenbett, da der Ute 
rus nie leichter, als zur Zeit der Geburt, grosse Verletzungen 
erträgt. — Des Verf. brauchbarer Vorrath von Instrumenten 
bestand freilich nur in einer geraden Besteckscheere, damit aber 
verrichtete er die Operation, nachdem er der Frau 30 Tropfen 
Tinct. opii simpl. gegeben, in wenigen Minuten wie folgt: 
er zerdrückte zuerst den Tumor in der Mitte mit den Fingern 
so weit, dass er mit Zeigefinger und Daumen der linken Hand 
die äussere und innere Fläche der gesunden Substanz der vor 
dem Muttermundslippe erlangte. Dann zog er dieselbe möglichst 
herab und stiess die Scheere eben geöffnet durch, schnitt die 
Oeffnung weiter, bis er einen Finger einführen konnte, und 
trennte nun nach rechts und links den ganzen Fungus in ein 
Paar Schnitten. Die Schnittfläche M'ar über 5 Zoll lang, lief 
hart am Ansatz der Scheide her und zog sich gleich nach der 
Operation ganz über das Schambein hinauf. Blutung und Schmerz 
waren unbedeutend. Die Wendung des schon abgestorbenen, 
zum Theil von Fäulniss ergriffenen, ausgetragenen Kindes war 
nun nicht schwierig. Nach der Operation ergab sich leider, 
dass die hintere Muttermundslippe rauh, uneben war, ja selbst 
ein kleines Knötchen zeigte. Der Mundrand Hess sich nicht
	        
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