Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

24 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
verwachsen und braunroth. Die Structur konnte auch hier gar 
nicht erkannt werden. — Wenn C. diesen Kranken nie vorher 
beobachtet hatte, so war ihm ein Dritter um so lehrreicher, des 
sen Arzt er 15 Jahre lang gewesen war und der unter ähnlichen 
Erscheinungen 5 Jahre nach jenem Franzosen erkrankte und 
starb. Dieser Mann, beim Tode 60 Jahre alt, in den glück 
lichsten geselligen und Familienverhältnissen lebend, klein, 
nicht sehr fett, thätig, später von besonders guter Laune, frü 
her aber oft hypochondrisch und verdriesslich, weil er, we 
gen eines alten Schleimhustens immer fürchtete, er werde an 
Phthisis sterben, lebte sehr nüchtern und höchst regelmässig und 
hielt namentlich darauf, häufige, d. h. 2 bis Smalige tägliche 
Oelfnung durch Diät und leichtere Mittel sich zu erhalten. Bis 
auf jenen Schleimhusten, den er 30 Jahre hatte, sah C. in der 
langen Zeit, in der er sein Arzt war, diesen Mann nur Ein 
mal wirklich krank, als er durch zu hastiges Essen sich einen 
Magenkrampf zugezogen hatte, der aber schon Tags darauf 
passenden Mitteln gewichen war. Um desto überraschender 
musste sein Ende seyn. Am 11. Juli 18— hatte er nach sei 
ner Gewohnheit gebadet und schnell darauf gegessen, als sich 
Abends Erbrechen von unverdauten Stoffen einfand, das die ganze 
Nacht anhielt und bald gallicht wurde und wogegen ein ande 
rer Arzt Brausepulver und Saturationen erfolglos angewendet 
hatte. Am 12. Morgens um 9 Uhr sah der Verf. den Kran 
ken und konnte gleich vor der Familie seine Besorgniss nicht 
unterdrücken, dass er wohl das Ende des Tags nicht mehr er 
leben werde. Das Gesicht war bleich, collabirt, kalterSchweiss 
deckte die Stirn, die Hände fühlten sich eisigkalt, die Fiisse 
kühl an, lebhafter Durst quälte den Kranken, der bald nichts 
mehr, als: trinken sagte, aber fortwährend, nach dem gering 
sten Genüsse von Apfelsinenwasser, Tliee etc. mit geringer An 
strengung reichlich schwarzgrüne, gallichte Flüssigkeit erbrach. 
Die Zunge war schmutzig, dick, gelbgrün belegt. Der härt- 
liclie, ziemlich gefüllte Puls hatte 136 Schläge. Der Leib 
war bis über die Präcordien bedeutend meteoristisch aufgespannt, 
und schmerzte in der Nabelgegend beim Drucke, während Pat., 
drückte man nicht, über keinen Schmerz klagte. Desto lästi 
ger war ihm fortwährender Urinzwang, während bei allen 
Versuchen nur ganz w’enig molkichter Urin entleert wurde, 
Oelfnung fehlte ganz. Das Sensorium war völlig frei. Nach 
und nach w urden 4 Unzen Ol. Ricini ohne allen Erfolg ge 
geben , da Pat. die einzelnen Gaben, wie jede versuchte Arznei, 
gleich wieder wegbrach. Auch Rlystiere schafften nichts fort; 
die Verstopfung hielt hartnäckig an, auch währten den ganzen 
Tag hindurch die Klagen über Drang zun» Urin fort. Dass 
derselbe aber nicht von Anfüllnng der Blase abhing, zeigte der 
Catheter, der vielmehr von Leere derselben überzeugte. Aderlass, 
16 Blutegel auf den Leib, Eisumschläge, Bad etc. erleichter-
	        
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