Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

276 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
dessen Bildung Pat. als alhnählig ohne bekannte Gelegenheits 
ursache angab. Die erste Zeit nach Entstehung des Uebels ge 
brauchte er ärztliche Hülfe, die man ihm besonders durch 
Aderlässe zu verschaffen suchte, doch erfolglos, was wohl den 
Arzt des Kranken bestimmt haben mochte, von fernerer Be 
handlung abzustehen und wobei auch Pat. sich beruhigte, da 
er ausser dem Herzklopfen keine andern krankhaften Zufälle 
hatte und durch jenes von Betreibung seines Geschäfts nicht ab- 
gehalten wurde. Bei zufälligem Zusammentreffen mit dem 
Kranken beobachtete H. folgende Erscheinungen an ihm: Herz 
schlag sehr heftig, weit verbreitet; heftiges mit der Systole des 
Herzens synchrouisches Pulsiren der Carotiden, besonders der 
sichtlich erweiterten linken Carotis, sehr harter, voller, übrigens 
regelmässiger Puls und in einem sehr grossen Umfange matter 
Ton bei Percussion. Auscultirt wurde nicht. Von Dyspnoe 
war nichts zu bemerken, eben so wenig von Husten, von Zeit 
zu Zeit aber erlitt Pat. angeblich vorübergehende Beängstigun 
gen. Die übrigen Functioneu gingen ungestört vor sich und er 
fühlte sich von seinem Leiden so wenig belästigt, dass er 
ganze Tage mit bedeutender Anstrengung sein Handwerk trieb, 
lf Jahr später ging Pat. eines Morgens nach seinem gewöhn 
lichen Frühstücke zur Arbeit aufs Feld und fiel, als er kaum 
den ersten Einstich mit dem Spaten gemacht und kurz zuvor 
gegen seine Kinder sich geäussert hatte, dass ihm wehe werde, 
lautlos und ohne weitern Athemzug todt zur Erde. In der letz 
tem Zeit vor dem Tode war nichts mit ihm vorgegangen, als 
dass er oft betrübt geweseu war, weil die Frau gestorben und 
der Sohn lange krank gelegen und dass er sich hier und da 
über unbestimmte krankhafte Gefühle in der linken Brust be 
klagt, wobei er jedoch, wie sonst fortarbeitete. Bei der Se- 
ction, 24 Stunden nach dem Tode, fanden sich Gesicht und Lip 
pen bleich, der Gesichtsausdruck war ruhig, nicht entstellt; am 
Bücken sah man Todtenflecke, ein schwacher Fäulnissgeruch 
war zu bemerken und mit Eintritt des Todes war noch reich 
liche Darmentleerung erfolgt. Beim Einschneiden der Hals- und 
Brusthaut und Muskeln sah man die oberflächlichen, wie die 
tiefem Venen von dunkeim flüssigem Blute überfüllt. Die rechte 
Lunge war mit der Pleura costalis im ganzen Umfange durch 
feste Pseudomembran verwachsen, die linke Lunge frei, beide 
sehr blutreich, sonst ohne krankhafte Veränderung. Der sehr 
ausgedehnte fluctuirende Herzbeutel war durch dichtes Zellge 
webe fest mit dem Brustbeine verwachsen und hielt mehr als 
1 Schoppen hellgelbe seröse Flüssigkeit. Das Herz, dessen 
Grösse die der Faust des Individuums wenigstens um das Drei 
fache übertraf, war sehr fest und fühlte sich derb an. Der 
Hohlvenensack war von vielem schwarzem, flüssigem Blute an 
gefüllt und im Umfange, ohne krankhafte Beschaffenheit seiner 
Wände, erweitert; die rechte Herzkammer enthielt etwas flüs-
	        
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