Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

272 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Heizens, welche sich von unten, auf der linken Seite der Herz 
grube, wo sich die 8. Rippe mit der 7. verbindet, über die 
ganze linke Seite bis oben nahe ans Schlüsselbein verbreitete; 
die 7., 8. und 9. Rippe waren stark nach aussen gewölbt und 
wie hervorgetritben. Die Lage auf dem Rücken und der lin 
ken Seite vermehrte die Beängstigung und verscheuchte allen 
Schlaf; in sitzender Stellung und nach rechts oder etwas vor 
wärts gebeugt, genoss Pat. einige Ruhe. Der Arzt wusste die 
Symptome des entzündlichen Brustleidens von denen eines orga 
nischen Fehlers des Herzens oder der Aorta, oder eines Exsu 
dats in der Brusthöhle zu sichten und jenes durch die schick 
lichen Heilmittel zu beseitigen; allein das Herzpochen, Brust- 
beengnng, schleimiger Husten, Puls- und Herzschlag u. s. w. 
blieben unverändert, und blieben es mehr oder weniger bei dem 
Gebrauche von Senega, Digitalis, Geilnauer Wasser und andern 
Mitteln. Durch das Stethoskop glaubte man w ahrzunehmen, dass 
die linke Lunge gesund, die rechte aber für die Luft sehr we- 
nig permeabel sei; allein ob diese Ungangbarkeit für die Luft 
von Wasseransammlung im Saccus pleurae entstanden oder von 
etwas Anderem bedingt sei, war nicht zu bestimmen. Das Herz 
war in seiner Contraction gehindert, denn der Choc war man 
gelhaft; beide Contractionen verschwammen gleichsam in eine, 
so dass die Contraction der Ventrikel das Uebergewicht hatte. 
Die Ventrikel mögen also wohl bedeutend erweitert seyn, wo- 
"für die grosse Ausdehnung der hörbaren Contraction in der rech 
ten Brust, ohne Analogon in der linken, sprach. Das Herz 
kann sich seines Uebertnaasses von Blut nicht gehörig entledi 
gen: darum der dumpfe, langgezogene Ton. Nur mitunter 
reizt das Blut die Ventrikel zu einer kräftigen, hervorstechenden 
Contraction, davon die absatzweise hörbaren, hellen Contractionen 
mit ziemlich kräftigem Choc gegen die Brustwände entstehen. 
Man dachte deshalb an Hijdrops pcricctrdii und setzte, bei aber 
maliger Zunahme oben angeführter Zufälle und wegen empfind 
lichen Drucks in der Herzgegend, 18 Blutegel an die Herzge 
gend, gab Squilla, diuretische Getränke und Kalomel, Digita 
lis und Opium, wodurch auch die lästigen Erscheinungen be 
seitigt wurden. — Bei einer spätem stethoscopischen Untersu 
chung tönte die rechte Brust fast eben so gut wie die linke. 
An der hervorgetriebenen 8. 9. und 10. Rippe fühlte man auf 
und ab den Choc des Herzens mit der Hand und das Stetho- 
scop Hess darüber keinen Zweifel; mit dem Choc correspondirte 
der Stoss der Diastole der Arterie. Zwischen der 5. und 6. 
Rippe vernahm man ein dumpfes Brausen ohne Stoss, das sich 
noch bis hoch auf das Brustbein deutlich fortsetzte. Dieses 
Brausen wurde auch in der linken obern Brust, jedoch nicht 
auf dem Schlüsselbeine, und schwach in dem grössten Theile 
der rechten Brust, wie von einer mühevollen Contraction, ge 
hört. Mau kam also mit der Diagnose immer noch nicht ins
	        
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