Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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V. Psychiatrie. 
schwäche, ganz normal, nur Blick und Gesichtszüge verriethen 
nocli einigermaasseu das überstandene Leiden, dessen sie sich 
durchaus nicht erinnerte, ja selbst des erst vor wenigen Tagen 
Gesehenen konnte sie sich nur unvollkommen erinnern; 9 Mo 
nate nach Beginn ihrer Krankheit sah sie R. zum letzten Male; 
auch die Menses waren nun wieder eingetreten, Blick und Aus 
druck der Gesichtszüge verriethen nichts mehr von dem frühem 
Leiden, sie fühlte sich wohl, wie nie zuvor, und ihr blühendes 
Aussehen, so wie die Integrität ihres günstigen Gemüthszustan- 
des bestätigte auf die unzweideutigste Weise die völlige Wie 
derherstellung ihrer leiblichen und geistigen Gesundheit. [Hcnr 
ke's Zcitschr. etc. Jahrg. 1835. 3. Vierteljahrheft.] ' 
119. Mania; vom G. M. R. Dr. v. Bktjnn in Köthen. 
Von einigen 1834 wahnsinnig Gewordenen ist die Krankheits 
geschichte und Heilung einer 45jährigen schwächlichen und hy 
sterischen Bauerfrau besonders der Erwähnung werth. Seit 
lange schon auf den Mann eifersüchtig, war sie dies seit eini 
gen Wochen in verstärktem Grade gewesen, als sie plötzlich 
des Nachts unter heftigen Krämpfen in Armen und Beinen in 
Raserei verfiel. Letztere verlor sich beim Nachlass der Kräm 
pfe nicht, wechselte mit Wahnwitz ab und war mit Schlaflo 
sigkeit verbunden. Massiges Gefässfieber begleitete diesen Zu 
stand, Gastricismus fand sich nicht vor, wohl aber Neigung zu 
Verstopfung. Vergeblich waren Aderlass, topische Blutauslee- 
ruugen, kühlende Mittel bis in die 3. Woche angewendet wor 
den, wo B. Pat. zuerst sah, und die erwähnten Zufälle be 
obachtete. Er wendete Kalomel, Digitalis und Blausäure nach 
einander an, wobei zwar die Darmausleerungen geregelter wur 
den, die Aufregung des Hirns aber nicht abnahm. Endlich 
fiel der Verf. auf die Nicotiana, von der er einst beim Deli 
rium tremens gute Wirkung gesehen hatte und verschrieb: Ree. 
Hb. Nicot. 5ij. J. inf. col. gvj. D. S. Alle 3 Stunden einen 
Esslöffel. Die Kranke nahm ein Mal davon ohne Erfolg und 
war dann nicht wieder dazu zu bringen. Tags darauf liess ihr 
der Mann durch den Gerichtsdiener befehlen, einzunehmen, wo 
rauf sie 3 Löffel auf ein Mal verlangte, die ihr auch gegeben 
wurden. Auf diese entstand grosse Schwäche, ohnmachtähn- 
liclier Zustand, Erbrechen und Laxiren und unmittelbar darauf 
richtige Besinnung, Heilung von Wahnsinn und Krämpfen, die 
auch nicht wiederkehrten. Eine stärkende Nachcur hob die noch 
übrige Schwäche. [Casper's Wochenschr. f. d. ges, Heilk. 
1836. IVr. 40.] 
Redactenr: Dr. E. II. Kneschke. — Verleger: E. F. Steinacker.
	        
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