Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
dem nur wenige Gran Kalomel gebraucht worden, trat sehr 
heftige, die Kräfte rasch raubende Diarrhöe ein, so dass man 
an Hemmung derselben denken musste, die denn auch durch 
Emuls. G. arab. mit einigen Tropfen Opium gelang. Als man 
am 5. Tage den ersten Verband und die Fäden wegnahm, die 
im obern Theile der Wunde noch gut hafteten, im untern da 
gegen lose, doch nicht ausgerissen waren, erschien die Wunde 
im obern Drittheil bereits vereinigt, nach unten mässig klaffend 
und ergoss Viel, höchst übelriechendes Secret. Dieser reich 
liche , übelriechende Ausfluss behauptete sich noch geraume Zeit, 
doch zeigte die Wunde gute Granulation und schritt lang 
sam der am Ende durch Betupfen mit Höllenstein beförderten 
Vernarbung entgegen. Gerade diese Langsamkeit im Heilungs- 
processe war gut, weil so das Wundsecret frei abfliessen konnte 
und die Bauchhöhle nicht durch langem Aufenthalt innerhalb 
der Wunde gereizt wurde. Der Leib war nur bisweilen ein 
wenig aufgetrieben, schmerzhaft und dies verlor sich fast jedes 
Mal wenn Blähungen oder Excremente abgingen. Die weissen 
Lochien, deren Beförderung man vorzüglich Aufmerksamkeit 
schenkte, hielten fast 4 Wochen an und es ergoss sich mit den-i 
selben viel höchst übelriechender Schleim, was für die Heilung 
unstreitig wichtig war. Die Milchsecretion blieb gut im Gange, 
indem man in den ersten 3 Wochen, wo man das Kind wegen 
gleich anzugebenden Ursachen nicht anlegen konnte, für fleissi- 
ges Aussaugen der Brüste durch eine erwachsene Person sorgte. 
Der Oefinung musste man bisweilen durch Klystiere nachhelfen, 
nach den ersten Wochen wurde sie jedoch regelmässig. Eben 
so war in der ersten Zeit die Urinsecretion oft erschwert, doch 
halfen warme, aromatische Umschläge auch hier. Mit dem All 
gemeinbefinden ging es die ersten 14 Tage immer besser, das 
Fieber verminderte sich allmählig, der lästige Husten verlor 
sich fast ganz, erquickender Schlaf und Appetit stellten sich 
ein und unter mildnährender, stärkender Behandlung hoben sich 
die Kräfte immer mehr. Nach 8 Wochet^ ye&i die Wunde ver 
narbt und die Wöchnerin ging ntBflfer mit ihrem kräftigen 
Knaben herum. Letzterer flösste dem Verf. die ersten 14 Tage 
ernstliche Besorgnisse für sein Leben ein. Ganz lebensfähig zur 
Welt gekommen, wurde er, als sich am 2. Tage Milch in den 
Brüsten zeigte, zur bessern Erzielung der Puerperalkrise sofort 
angelegt, doch die Milch der kranken Mutter, obgleich sie gut 
aussah und schmeckte, wollte dem Kinde durchaus nicht bekom 
men, es erbrach sich unaufhörlich, bekam sehr heftige, wässe 
rige Durchfälle, zeigte die Mundhöhle mit Aphthen dicht besetzt, 
Lxcoriationen über einen grossen Theil des Körpers und magerte 
Ranz ab, so dass man trotz der ungünstigen Umgebung das 
^i“d künstlich aufzufüttern suchen musste. Unter Darreichung 
von Milch und Wasser und als der Durchfall überhand nahm, 
von Fleischbrühe mit Eigelb nebst geringen Gaben schleimiger
	        
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