Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
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so Wenig Abänderung in den durch lange Erfahrung begründe 
ten Anzeigen zur Amputation herbeiführen, als die letztem nach 
geraumer Zeit dies hinsichtlich der Trepanation vermögen wer 
den. Aus beiden wird sich bloss die Wahrheit des Satzes er 
geben, dass die Natur nicht selten und bei besonders günstigen 
Verhältnissen die Folgen, auch der furchtbarsten Verletzungen, 
zu beseitigen vermag. Wenn man, nach Velpeau, zwischen 
deu Fällen, wo Kopfverletzte ohne Trepanation genasen und de 
nen, wo sie durch diese Operation gerettet werden, ein ver 
gleichendes arithmetisches Verhältniss auf stellt und annimmt, 
dass bei 20, bei denen die Trepanation angezeigt ist, 5 ohne 
selbige genesen, dagegen von 20, die man sämmtlich trepanirt, 
12 durchkommen, so ergiebt sich ein Uebergewicht von 7 Ge 
retteten auf Seite der Trepanation, wiewohl es noch sehr zu 
bezweifeln ist, dass in 20 Fällen, wo die Trepanation wirk 
lich angezeigt war, so viele Naturheilungen Vorkommen wer 
den. Benutzen die Gegner der Trepanation die häufigen üblen 
Ausgänge derselben, um die Operation als unnöthig, oder ver 
werflich darzustellen, so scheint es, als verlangten sie gerade 
von ihr, die noch überdies meist unter sehr ungünstigen Umstän 
den vorgenommen wird, bessere Resultate, als man überhaupt 
von grossen, unter ähnlichen misslichen Verhältnissen unter 
nommenen Operationen erwarten darf und als übersähen sie, 
dass viele Amputirte, Castrirte, am Stein, Empyem, einge 
klemmten Brüchen Operirte sterben, ohne dass man diese Ope 
rationen für verwerflich hält. Der Beweiss übrigens, dass diese 
Operationen zum tödtlichen Ausgange beigetragen haben, lässt 
sich in der Regel noch sicherer führen, als bei der Trepanation, 
Wo man sich in dieser Beziehung meist bloss an Analogieen und 
Conjuncturen hält und wo überdies in den tödtlichen Fällen die 
Verletzung selbst gewöhnlich so gewaltig ist, dass aus ihr 
selbst die Lethalität genügend hervorgellt. Dagegen giebt es 
Vl el mehr Fälle, wo man, nach tödtlichem Ausgange ohne Tre 
panation behandelter Kopfverletzungen aus dem Obductionsbe- 
•tnde folgern muss, dass man das Leben durch den Trepan 
höchst wahrscheinlich hätte retten können. Hierher gehören 
auc h die beiden früher mitgetheilten Fälle Nr. VI. und VII., 
dete n letzter den tückischen Verlauf so mancher anscheinend 
Unschuldigen Kopfverletzung recht deutlich zeigt. Von Seite 
aet Verantwortlichkeit, die der Arzt für seinen Kranken trägt, 
i® 88t sich das abwartende, so wie das auf blosse allgemeine 
Behandlung beschränkte Verfahren nur da rechtfertigen, wo die 
Unzulänglichkeit der Kopfverletzungen für die Kunsthülfe und 
T Ohnmacht letzterer als Heilmittel, sowohl aus ihrer Lage, 
' Vle aus ihrer Ausdehnung genügend sich ergiebt. So lange 
U' an nicht bestimmt weiss, dass die Trepanation in einem Falle 
° ur ehaus nichts nützen kann, ja schaden muss, handelt man, 
" e «n man die Operation nicht unternimmt, gegen das: reine-
	        
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