Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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II. Materia medica und Toxikologie. 
dieses so allgemeine und oft so beschwerliche Uebel wirklich 
nur sehr willkommen seyn würde. — JJJ. Russische Dampf* 
bider. Jetzt, wo die Mode, im Dampf zu badenT^orbei ist, 
fragt es sich, ob die Medicin wirklichen Nutzen von diesem 
Mittel gehabt habe und ob es als Gewinn für die Materia me 
dica zu betrachten sei. Nach den Erfahrungen des Verfs. muss 
diese Frage mit Nein beantwortet werden, denn abgesehen von 
dem mannigfachen Schaden, den übermässiger, oder ganz un 
passender Gebrauch dieser Bäder erzeugt hat, weiss B. auch 
keine Krankheit, die er nun, da er die Dampfbäder aus Er 
fahrung an Andern wie an sich selbst kennt, rascher oder siche 
rer heilen, oder zu heilen glauben konnte, als früher, ohne sie. 
Vor einigen Jahren musste jede grössere Stadt ein öffentliches 
Dampfbad haben und Mancher, der in einer kleinen Stadt, 
oder auf dem Lande wohnte, beneidete den Grossstädter blos 
wegen der Bequemlichkeit und Nähe eines solchen Bades. Jeder 
chronische Kranke hielt es für Pflicht, den Arzt zu fragen, ob 
ihm nicht das Damplbad gut bekommen sollte. liier rühmte 
einer die grosse Annehmlichkeit, dort ein anderer den auffallen 
den Nutzen desselben und als nun gar die Cholera weiter nach 
Deutschland vordrang und von Russland aus das Dampfbad 
dagegen gerühmt wurde, musste jeder, der es irgend nur konnte* 
eine Vorrichtung dazu für den Nothfall im Hauso haben. Doch 
die Furcht vor Missbrauch der Dampfbäder ist jetzt überflüssig 
geworden, kein Mensch mag und will mehr im Dampf baden 
und keiner wird mehr dadurch geheilt. Die Dampfbäder wa 
ren eine Modesache und sind nun — Dampfbäder: eine etwas 
unbequeme, theure, nicht ganz gefahrlose Art der Hautreini- 
gung. Betrachtet man aber die Sache ganz unbefangen, hütet 
man sich, das Kind mit dem Bade zu verschütten, so würde 
man etwa folgendes Resultat erhalten; die Dampfbäder wirken 
häufig gm gegen chronische, rheumatische und gichtische Uebel, 
besonders recht veraltete arthritische Lähmungen und hier muss 
man ihren Werth, wenn auch nicht ihre gänzliche Gefahrlosig 
keit und Unfehlbarkeit anerkennen, ; n allen andern Krankhei 
ten aber sind sie theils unwirksam, theils offenbar schädlich. 
Man könnte sie vielleicht noch gegen übermässige Fettbildung 
erlauben, wenn nicht gerade solchen Personen heftige Erhitzung 
und starker Blutandrang nach oben so leicht schaden könnte, 
ln allen fieberhaften Krankheiten ohne Ausnahme, also auch ge 
gen acute Gicht und Rheumatismus, eben so gegen alle Uebel von 
Schwäche, oder mit grosser Schwäche verbundenen bringen sie 
olfenbar Nachtheil. Chronische Nervenübel werden zwar an 
fangs oft sehr erleichtert, allein nicht geheilt und der Schaden 
kommt hinterher. Nach einiger Zeit fühlen sich die Kranken 
«ehr angegriffen, erschlafft, reizbar, alle frühere Beschwerden 
kehren zurück, oft verstärkt und man ist froh, wenn man den 
Körper wieder zur vorigen relativen Stärke zurückgeführt hat,
	        
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