Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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II. Materin medica und Toxikologie. 
dasselbe nicht nur nach anhaltendem Gebrauche eines mit Extr- 
Ratanh. verstärkten Decocts bemerkt, sondern auch nach der 
Tinclur, nach einer Mischung der Tinct. Ratanh. mit Tinct. 
aromat. oder amara, ja sogar wo die Tinct. Ratanh. bloss 
zum Bestreichen des Zahnfleisches, oder mit verdünnenden Wä s ' , 
sern und Spir. zum Ausspühlen des Mundes und zum Gurgeln 
benutzt wurde. Abgesehen davon, dass Manche dadurch un 
überwindlichen Widerwillen gegen das Mittel bekommen, schien 
es auch da, wo es Brechen hervorrief, nicht gut zu bekommen» 
wenigstens erfüllte es dann die beabsichtigte Wirkung selten. 
Der Verf. suchte diesen Uebelstand durch mancherlei Zusätze 
zu verhüten, oder zu mildern, doch gelang ihm dies nicht. 
Wo es einmal Brechen erregt hatte, that es dies beim fortge 
setzten Gebrauche fast immer, wenn man auch die Dosis be 
deutend verminderte, oder das Decoct sehr schwäch verschrieb, 
oder beruhigende, eiuhüllende Zusätze damit verband. Sehr in 
teressant war es datier dein Verf. zu hören, dass Brandes in 
(der Ratanhia einen dem Emetin ähnlichen Stolf gefunden habe. 
Wie man nun Tart. slibiat. und besonders Ipecac. in refr. 
dosi nicht selten als Verdauung befördernde, die Thätigkeit 
des Magens und der Därme kräftig anregende Mittel giebt, so > 
hat B. bemerkt, dass die Ratanh. in kleinen Gaben, ähnlich 
wie jene Mittel, reizend erregend auf den Magen, Appetit und 
Verdauung vermehrend wirkt: eine gewiss sehr schätzbare Ne 
benwirkung. Nicht weniger erfreulich für Manchen dürfte eine 
dritte Nebenwirkung seyn, nämlich die, dass die Ratanhia zu 
weilend reizend, auf die Genitalien wahrhaft stiinulirend wirkt, 
darum vielleicht gerade gegen paralytische Mutterblutflüsse so 
vortrefflich ist. Doch sind die Erfahrungen des Verls, nur 
einigen wenigen männlichen Kranken entnommen, die das Mit 
tel gegen Scorbut nach Mercurialgebrauch, habituelles Nasen 
bluten, Magenschwäche mit s. g. Wasserbrechen erhalten hat 
ten. Sie bedürfen also sehr genauer Prüfung, da Täuschungen 
hier sehr leicht und nicht wohl aufzuklären sind. — Gegen 
Leucorrhoea benigna von Schwäche hat B. die Ratanh. daher 
mehrfach gegeben und zwar nicht selten mit grossem Nutzen, 
besonders bei laxen, schwammigen Blondinen, innerlich die * 
Tinctur zu 10 Tropfen 3 Mal täglich und allmäblig zu steigen, 
äusserlich aber das Decoct, das später durch Extract, 2 Drach 
men auf 8 Unzen Abkochung, verstärkt wurde. Mit dieser 
Abkochung liess B. nicht nur waschen, sondern auch wenig 
stens ein Mal des Tages einen damit getränkten Schwamm ein- 
führen und 1 oder 7 Stunde behalten. Diese Mittel haben ihm 
gegen dieses so hartnäckige Uebel mehrmals so gute Dienste 
geleistet, nachdem er schon so manche der gewöhnlichen Mit 
tel dagegen vergebens gebraucht hatte, dass er die Aerzte nicht 
dringend genug bitten kann, diese Erfahrungen zu vervollstän 
digen, du ein kräftiges, eiuigerniaasstu sicheres Mittel gegen
	        
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