Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

216 IY. Matena medica und Toxikologie. 
binden. Heine selbst hat in mehreren kleinen Druckschriften, 
die in deutscher und französischer Sprache in Folio, Quart und 
Octav erschienen sind, seine Ansichten über die Wirkungsart 
der Seebäder bei Verkrümmten auseinandergesetzt. Wenn es 
mir gelungen ist, seine eigentliche Meinung und den -wahren } 
Sinn des Ganzen aus deu weitläufigen, in dem bekannten apo* 
kryphischen Style Heine’s geschriebenen Blättern herauszufinden, 
so möchte er etwa folgendermaassen kürzlich wiederzugeben 
seyn. Die Heilung verkrümmter Gliedmassen und Wirbelkno- 
dien beruht auf einem doppelten Processe, der Aufsaugung der 
Knochensubstanz von der convexen und dem Ansatz von neuen 
Theilen auf der concaven Seite der verkrümmten Knochen. Um 
diese zu bewerkstelligen dient zuerst ein Druck oberhalb und 
unterhalb 'der verkrümmten Stelle dauernd angebracht und ein 
entsprechender Gegendruck aut die Convexität der Verkrümmung« 
Diese mechanische Einwirkung wird nun am kräftigsten von den 
Seebädern unterstützt, in so fern diese durch ihre Kalte Zu 
sammenziehung der Faser bewirken, demnach die Molekülen der 
verkrümmten Theile in normaler Richtung einander nähern, und 
in so fern als sie Cirkulation bethätigen, hierdurch einerseits 
die Aufsaugung befördern und andererseits den vegetativen pla- ’ 
«tischen Process in grössere Thätigkeit setzen. Es fragt sich , 
nun, ob diese Ideen practisch gerechtfertigt und theoretisch an 
zuerkennen sind. Es würde eine längere Beobachtung erfordern, 
um eine genaue Prüfung der von Heine erlangten Resultate ge 
ben zu können. Aus dem vielleicht parteiischen Drtheile des 
ärztlichen Publikums in Holland Folgerungen zu ziehen, würde 
jedenfalls unbillig seyn; ich berichte daher lieber von dem äus- 
sern Befund der Anstalt selbst und erlaube mir die theoretischen 
Ansichten Heine’s einer kurzen Prüfung zu unterwerfen. — 
Ein sehr schönes geräumiges Gebäude mit einem weitläuftigen 
Garten nahe bei der Stadt, am Eingänge in die Scheveninger 
Allee, machen das günstig gewählte Local aus, in welchem die 
Kranken eine anständige Einrichtung finden. Da ich bei jedem 
Arzte einige Bekanntschaft mit den Maschinen voraussetze, so 
erwähne ich nur, dass auch in dieser Anstalt bloss eine rein 
mechanische Tendenz zu erkennen ist, dass die in neuerer Zeit » 
so vielfach bewährt gefundene Benutzung der Muskelthätigkeit, 
als radicalen und symptomatischen Heilmittels zugleich, nicht in 
Anwendung gekommen ist. Dagegen staunt man über die 
Menge complicirter und kostspieliger mechanischer Apparate, in 
denen Heine noch immer alleiniges Heil sucht. Anstatt die 
Muskelkräfte seiner Zöglinge herauszubilden und diese selbst 
durch eigne Kraft den mechanischen Zweck unterstützen zu las 
sen, bringt er auf künstlichen Ijocomotiven den ganz passiv aus 
gespannten Kranken mühsam an die freie Luft. Ein eigner 
Wagen führt die Verkrümmten an den Strand, wo sie auf einer 
nach Heine’s Angaben gebauten Badekutsche in die See gelau-
	        
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