Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

215 
II. Materia medica und Toxikologie. 
räumen 15—20 Blutegel und wirkte local auf das Rückenmark 
durch tägliche kalte Waschungen längs der Wirbelsäule. Uni 
ter dieser Behandlung hatte sich der Zustand nach 5 Älonateh 
in soweit gebessert, dass der Kranke nacl» Carlsbad reisen 
konnte. Indessen eine vierwöchentliche Cur daselbst und eine 
dreiwöchentliche in Franzeusbad hatten kaum irgend eine be 
deutende Besserung herbeigel'iihrt und man erwartete einen ent 
schiedenen Erfolg erst von Seebädern. Diese wurden in Sche- 
veningeu gebraucht und zwar so, dass man gleich mit den Bä 
dern am Strande anfangen, zuerst nur den Stoss von 3 Wellen 
wirken und nach und nach die Bäder bis eine Viertelstunde 
lang brauchen liess. Der gewünschte Erfolg trat ein. Schwin 
del zeigte sich nicht w ieder; schon nach dem Gebrauch Voit 
zwölf Bädern wurde das Fahren ohne alle Beschwerde vertra 
gen und der Kranke konnte alle gewöhnlichen Bewegungen mit 
dem linken Arme vornehmen. Die Verdauung geschah mit 
grosser Leichtigkeit, der Stuhlgang wurde regelmässiger und 
bedurfte kaum einer geringen Nachhulfe. Nach einigen 20 Bä 
dern legte der Kranke seine Armbinde ab und klagte durchaus 
nicht mehr über seine Schulter. Eine lange Reise mit ihren 
Beschwerden erneuerte das Leiden nicht und nur selten kamen! 
noch kleine Anwandlungen von Druck in der Schulter zum 
Vorschein. Dieser Kranke hatte von den Seebädern keine Übeln 
Zufälle; von kritischen Beschwerden zeigte sich nichts als ein 
nächtlicher Ausbruch von einer Art Strophulus auf dem Rückert 
mit Brennen und Jucken der Haut; eine lungere Zeit hindurch 
zeigte sicli ein starkes Sediment im Urin. — Eine Kranke von 
34 Jahren hatte vor dem Ausbruch ihrer Menstruation im 15. 
Jahre eine heftige Rückenmarkserschütterung erlitten.. Seit 5 
Jahren war die Menstruation ganz weggeblieben, die Kranke 
fing an abzumagern , an Verdauungsbeschwerden und allgemei- 
uer Muskelschwäche zu leiden. Ein heftiger Schmerz im klei 
nen Finger der rechten Hand, der sich bis in den Vorderarm 
langst des Nervus nlnaris erstreckte, stellte sich ein. Das Lei 
den wurde symptomatisch behandelt und bald stellten sielt die 
bedenklichsten Zeichen von Rückenmarkslähmung ein. Sie kam 
nach Scheveningen, nachdem sie schon ihre untern Extremitä 
ten sehr wenig mehr brauchen und zuweilen w’eder den Stuhl 
noch Urin halten konnte. Ihr Körper war bedeutend abgema* 
gert, die Muskeln der obern Extremitäten und des Rumpfes sehr 
geschwächt und das Gemülh im hohen Grade deprimirt. Ein 
la »ger, mit allen Vorsichtsmaassregeln den ganzen Sommer hin 
durch fortgesetzter Gebrauch der Seebäder hat ihr nur in sofern 
Nutzen gebracht, als die Schliessmuskeln des Afters und der 
Rlase wieder in Thätigkeit gekommen sind. — Zum Schlüsse die- 
Ser Blätter gedenke "ich noch der orthopädischen Anstalt von 
Heine zwischen dem Hang und Scheveningen, deren Zöglinge 
Gebrauch der Seebäder uiit dem der Slreckapparate ver-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.