Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

196 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
an den After reichte. Von Vorn betrachtet, zeigte sie 2, von 
Hinten 3 herablaufende Furchen, nach Abwärts war sie sehr 
breit. Die vordere Furche linker Seits war, in Folge des frü 
her erwähnten Schnitts, sehr tief, rechter Seits aber flach und 
kurz; jedoch wurden auf beiden Seiten 2 kugelige Erhabenhei 
ten abgeschieden. In der Mitte, 7 Zoll von dev Symphysis os- 
sium pubis, erhob sich ein 4 Zoll langer, dicker, spiralförmig 
nach links ab- und wieder aufwärts gekrümmter Schlauch, aus 
welchem der Kranke mit Kraft, indess in verschiedenen Strah 
len, urinirte. Er war aus der Haut des Penis und des Präpu 
tium gebildet. Der grösste Umfang der Geschwulst betrug 3 
Fuss, der vom After bis an die Schambeinvereinigung 2 Fuss 
5 Zoll, der Umfang des Stiels 1 Fuss 8 Zoll, der Querdurch 
messer des breiten Tlieils 14 Zoll, derjenige des Stiels 6 Zoll. 
Die Farbe der Geschw'ulst war verschieden, an einzelnen Stel 
len bläulich-roth, gräulich-weiss. Penis und Hoden konnten 
taicht gefühlt werden. Am untern Theile war die Haut vor 
zugsweise dick, rissig und der bei Elephantiasis ähnlich. Haare 
wurden nur am Mons Veheris und in der Gegend der Vorhaut 
wahrgenommen. Der Geruch um den Kranken war unerträglich. 
Wenn sich nun das Leiden als Elephantiasis scroti et prac- 1 
putii zu erkennen gab, so lag die Ursache desselben offenbar 
in Scrofulosis, welche durch den Aufenthalt in feuchter Woh 
nung und unpassende Nahrung begünstigt worden war. Die 
Operation ward in Gegenwart mehrerer Aerzte und des Verfs. 
Schülern ausgeführt. Der Kranke wurde so auf dem Opera 
tionstische gelagert, dass die Geschwulst bei ausgespreitzten 
Beinen zur Hälfte auf dem Tischrande ruhte. Verf. machte zu 
erst mit einein grossen convexen Bistouri linkerseits einen 4 Zoll 
langen Schnitt, von dem Annulus abdom. abwärts, um den 
linken Hoden herauszupräpariren. In gleicher Absicht ward 
dann ein ähnlicher Schnitt auf der rechten Seite gemacht. Nach 
dem beide Hoden gefunden und die Blutung gestillt war, wur 
den die Längenschnitte durch einen Querschnitt vereinigt, um 
einen Hautlappen für den Penis zu gewinnen, dieser freigelegt, 
und die Operation durch 2 bogenförmige Schnitte, die sich hinter 
wärts unter sich, vorwärts mit den perpendiculären Schnitten ver- 1 
einigten, um einen künstlichen Hodensack zu bilden, vollendet. 
Das Durchschneiden und nöthige Unterbinden grosser Gefassstämme 
verzögerten die Operation etwas, doch ging sie im Uebrigen gut 
lind rasch von Statten, und war nach 40 Minuten beendet. Die Ho 
den w aren ab- und seitwärts vom Penis gelegt, mit den bogenför 
migen Lappen bedeckt, der Penis, so weit es die gesunde Be 
schaffenheit des Mittelstücks zuliess, eingehüllt, und die Ver 
einigung selbst durch blutige Hefte und Heftpflasterstreifen be 
wirkt. Die abgelöste Geschwulst wog, nach Abfluss einer un 
geheuren Menge seröser Flüssigkeit, 27 schwere Pfund. Nach 
dem Pat. in das Bett gebracht w urden war, erholte er sich bald
	        
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