Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
[Zeitschr. f. d. ges. Medic. Bd. 2. Hft. 4. nach: Tlic Lan- 
cet. Land. Apr. 9. u. IG. 1836. Nr. 3 u. 4.] 
73. Die Ablösung der untern Kinnlade; vollzogen 
vom Stabsarzt Fkank in Kasan; mitgetheilt vom Prof. Lich- 
tenstaedt in Petersburg. Am 14. März 1834 kam in das . 
Hospital der allgemeinen Fürsorge in Kasan ein I4jähriger tar- 
tarischer Knabe mit einem Auswüchse, der die ganze Vorder 
seite, den Untertheil, wie auch die Seiten der untern Kinnlade, 
rechts bis zum 3., links bis zum 2. Backenzahne, einnahm. 
Er war so gross, wie eine starke Mannsfaust und sah blauroth 
aus, bestand aus fester Masse und war mit der Kinnlade un 
beweglich verbunden. Nur die aufsitzende Haut war leicht 
beweglich, auch war die Unterlippe gesund. An 2 Stellen der 
Oberfläche wurde jauchigter Stoff ausgeschieden. Der Auswuchs 
nahm den ganzen Umfang des weit aufgesperrten Mundes ein, 
dehnte die Lippe ungemein aus und drängte die untere Kinn 
lade stark vor, so dass die Entfernung von einem Ohre zum 
andern über obere Kinnlade und Oberlippe hin 54- Werschok, 
der Raum aber vom Winkel der untern Kinnlade rechts bis 
zum linken Winkel desselben Theils über die Geschwulst hin 
7 Werschok betrug. Der nach der Mundhöhle hin nach innen ) 
liegende Theil war so gross, wie ein Hühnerei, drängte die 
Zunge nach hinten und hinderte das. Schlingen. Pat. konnte 
daher nur Flüssiges zu sich nehmen und hatte schweren Athem, 
die Sprache war undeutlich und dabei verlor er täglich viel 
Speichel, besonders im Schlafe. Die zwei vordersten Zähne 
steckten in der Geschwulst und waren in horizontale Lage ge 
schoben ; die nächsten Zähne waren an den Seiten der Ge 
schwulst und zwar auseinander getrieben und verschoben; nur 
3 Backenzähne rechts und links standen natürlich und hatten 
gesundes Zahnfleisch. Als Ursache gab der Vater des Knaben 
an, dass derselbe, als er ein Bund Holz mit einem Stricke kräf 
tig zusammendrücken wollte, vom Stricke, der sich ihm aus 
den Händen riss, an der vordem Seite der untern Kinnlade 
einen Schlag erhielt. Gegen die darnach entstandene Geschwulst 
war nichts unternommen worden und so hatte sie binnen 3 Jah 
ren die oben erwähnte Grösse erlangt. Da der Knochen ohne > 
Zweifel litt und der Zustand des übrigens nicht sehr kräftigen 
Kranken für die Operation, die er selbst und der Vater ver 
langten, einen günstigen Ausgang versprach, so wurde dieselbe 
nach Dupuytren gemacht und zw'ar am 3. April wie folgt: 
Pat. sass auf einem Stuhle; der Kopf wurde nach oben gehal 
ten. Der Operateur setzte sich ihm gegenüber auf einen Stuhl, 
hielt mit der Linken die Oberlippe rechts, während ein Ge- 
hiilfe dasselbe links that und schnitt nun von der Mitte der Un 
terlippe nach unten bis etwas über den untern Umfang der Ge 
schwulst hinaus. Der rechte Lappen wurde bis zum dritten, 
der linke bis zum 2. Backenzahn losgetrennt, wodurch die Ge-
	        
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