Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
72. Zwei Fälle von Comhuslio Linguae; von 
Smyth und Coofer. Ein 3jähriger Knabe verbrannte sich durch 
einen Zug aus einem Theekessel mit siedendem Wasser die 
ganze innere Mundfläche, Lippen und Kinn. S. fand ihn nach 
einigen Stunden mit .blassem, sehr ängstlichem Gesichte, be 
schleunigter, heller und so lauter Respiration, dass man sie vor 
dem Hause hörte, mit starren Augen und mit Erstickung käm 
pfend. Man setzte Blutegel und gab halbstündlich 4 Gran Ka- 
lomel. Nach letzterem trat Uebelkeit und Erbrechen, mit gros 
ser Erleichterung der Respiration und in der Nacht Stuhlauslee 
rungen ein, die indess die Congestionen zum Kopfe nicht ver 
hüteten. Tags darauf nahm man viel mehr erweiterte Pupillen 
und Stupor wahr, was zu kalten Ueberschlägen und Blutegelu 
neben dem Fortgebrauche des Mercur nölhigte. Zur, Unter 
stützung machte man Mercurialeinreibungen in die Schenkel. 
Doch traten Nachmittags, um die Stunde des Anfalls, Erstickungs 
zufälle ein. S. fand den Knaben unempfindlich gegen das Licht 
und in convulsivischen Bewegungen. Die Bronchotomie rief 
ihn ins Leben zurück; er forderte zu trinken, hustete aber was 
er getrunken w ieder durch die Wunde und durch die Nase aus. 
Er fing wieder an zu sprechen und Tags darauf bemerkte man 
nur noch Mercurialathem und die andern Spuren der Behand 
lung. Doch erneuerten sich am 3. Tage die Kopl- und Respi 
rationssymptome, so dass man die unterbrochene Mercurialcur 
wieder begann, worauf Tags darauf das Befinden leidlich war. 
S. hält deshalb Kalomel neben Blutegeln, Vesicantien etc. nach 
der erwähnten Methode, wie die des I)r. Wallace ist, für 
das wirksamste Mittel. Wenigstens bewährte es sich ganz in 
dem von Cooper beobachteten Falle, der dem eben erzählten 
ganz analog war. Das Kind klagte Anfangs nicht so sehr, wie 
zu erwarten stand, bekam aber nach 2 Stunden Dyspnoe mit 
Erbrechen und in der Nacht Erstickungszufälle. Erst 17 Stun 
den nach der Verbrennung wurde ärztliche Hülle möglich ge 
gen Unvermögen zu sprechen, schlucken und athmen, laute keu 
chende Respiration mit einem Pulse von IGO Schlägen in der 
Minute, geschwollene Zunge und gegen die Excoriation der 
Mundhöhle. Die Tracheotomie schien noch vermeidbar: sie 
sollte erst unternommen werden, wenn Blutegel, Vesicatore im 
Nacken und 4 Gran Kalomel, halbstündlich in den Mund ge 
streut, nichts ausrichteten. Diese Mittel wirkten indess günstig, 
nach 6 Stunden erst kaum merklich, nach 12 Stunden aber ent 
schieden. Die Besserung schritt in der Nacht immer mehr vor 
wärts, das 3| Jahr alte Kind hatte 16 Dosen Kalomel zu 4 
Gran bekommen und sprach, athmete und schluckte Tags da- 
ra «f hinlänglich regelmässig. Ein Abführmittel aus Kalomel 
lln d Jalap. machte nach einigen Tagen die Heilung vollkommen.
	        
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