Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

164 II. Materia medica und Toxikologie. 
tungen enthält. — Die folgenden Erfahrungen über glückliche 
Wirkungen des Seebades sind iin Sommer 1835 gemacht wor 
den.— Im September 1834 bekamen an einem Tage mehrere 
Knaben und Mädchen im Waisenhause zu Rotterdam Uebelkeit 
und Erbrechen, heftige Kolikschmerzen und Diarrhöe. Am fol 
genden Tage vermehrte sich die Anzahl der Kranken, und man 
bemerkte nun, dass Alle, die von einem Gerichte Fleischklöse 
gegessen hatten, von dem Uebelseyn befallen worden waren. 
Am besten waren die weggekommen, welche sogleich die ge 
nossenen Speisen weggebrochen hatten, und der Arzt, hier 
durch geleitet, gab Allen, die heftigere Besclnverden hatten, 
Brechmittel, nach denen mit grosser Erleichterung Reste von 
Speisen und Galle entleert wurden. Die Uebrigen erhielten ein- 
luillende und krampfstillende Mittel und diese hatten mehrere 
Tage zu ihrer Herstellung nöthig. Ein Hund, dem man von 
den Fleiscbklösen zu fressen gegeben hatte, starb darauf. Man 
stellte nun eine chemische Untersuchung any fand weder Ku 
pfer- noch andere Metallgifte, wohl aber eine Menge von 
Wurstgift — Fettsäure. Auch erklärte ein Fleischer, dem man 
den Speck zur Beurtheilung übersandte, welcher beim Bereiten 
der Klüse übrig geblieben war, dass derselbe verdorben sey. 
Es schien demnach der gebrannte Speck eine Veränderung an 
genommen zu haben, analog der im Wiirtembergischen an Wür 
sten wahrgenommenen, obgleich die hier beobachteten Vergif 
tungszufälle wesentlich verschieden zu seyn scheinen von de 
nen, welche von Kerner beschrieben worden sind. Der Arzt 
des Waisenhauses gab einen Bericht von diesem Vorfall in 
einer holländischen Zeitschrift (Kunst en Letterbode. Oct. 1834.) 
und erzählte, dass alle Kinder glücklich wieder hergestellt wa 
ren. Allein nicht lange darauf wurden drei derselben, sämmt- 
lich Mädchen, M. Kollemann, M. Klein und .... ungefähr 
zu gleicher Zeit von einer Lähmung der untern Gliedmassen 
befallen, welche so vollkommen war, dass sie beim Bestreben 
aufrecht zu stehen sogleich zusammensanken. Dieser Zufall 
"verminderte sich nach Anwendung vielfacher Mittel, nament 
lich nach Spülichbädern; allein die Besserung war nicht von 
Dauer und die Mädchen bekamen noch dazu kataleptische Zu- 
Tälle. M. Kollemann litt zuweilen auch an Fieberanfällen und 
an völliger Aphonie. Ein viertes Mädchen W. Matliner er 
krankte noch später ebenfalls an einer Paralyse der untern Ex 
tremitäten. Da nun bei allen diesen Waisenkindern die An 
wendung der verschiedensten Mittel fruchtlos geblieben war, so 
schickte man sie im Sommer 1835 nach Scheveningen ins See 
bad. Alle drei konnten nur mit grosser Mühe gehen und fielen 
dabei immer nach der Seite über, so dass man genöthigt war 
sie nach dem Strande zu tragen. Anfangs liess man sie im 
Hause Bäder von erwärmtem Seewasser (zu 90° F. ) 
brauchen, allein die Beschwerden beim Gehen wurden durch
	        
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