Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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II. Materia medica und Toxikologie. 
der Seeluft nachgewiesen, welches Silberoxyd roth färbt. Dies 
Gas findet sich jedoch nur in sehr geringer Menge und seine 
Eigenschaften, namentlich sein Einfluss auf das Blut, sind noch 
gar nicht uachgewiesen, so dass man auch hieraus nicht be 
rechtigt ist, den leichteren Respirationsprocess zu erklären. Na 
türlicher und auf sicherem Gründen beruhend scheint mir nun 
folgende Deutung dieser mehrerwähnten Beobachtung. Die 
Aulnahine der festen Bestandteile des Seewassers durch Endes 
mose ist durch Versuche gniigend dargethan worden, da man 
sogar das Vorhandensein der Seesalze nach Seebädern in ver 
schiedenen secernirten Flüssigkeiten chemisch nachgewiesen hat. 
Erwägt man nun, dass nach Steven’s Versuchen gerade das 
Chlor-Natrium, die Schwefels. Magnesia und das Schwefels. Na- 
trum auf eine ausgezeichnete Weise venöses Blut in hellrotes 
umwandeln, und dass diese Salze nicht allein mit dem Capillar- 
gefässsystem der Haut in Berührung kommen, sondern auch in 
den gesammten Kreislauf übergehn, so ergiebt sich, dass bei 
Seebadenden die Blutveränderung schon durch Vermittelung der 
Haut in einem bedeutenden Grade zu Staude kommen muss, 
dass daher dem Bedürfnisse des Organismus nach hellrotem 
Blute auf andere Weise abgeholfen und den Lungen indirect 
ihre Function sehr erleichtert werden muss. Die Lungen brau 
chen nur weniger Blut umzuändern und in geringerem Maasse 
tliätig zu seyn. Daher erklärt sich bei Personen, die an Lun 
gentuberkeln leiden, das Wohlbefinden auf Seereisen (wo sie 
hinlänglich mit Seewasser und Seedünsten in Berührung kom 
men), iudem bei ihnen gewissermassen ein Ausruhen der Re 
spirationsorgane Statt findet. Wichtig wäre es, w'enn sich 
durch Versuche nachweisen Hesse, dass Personen, die aus dem 
Seebad kommen, seltner und oberflächlicher Atem holen, als 
Andere. Leider fehlte mir die Gelegenheit solche Versuche an 
zustellen. Ich erlaube mir noch einige Bemerkungen mitzuthei- 
len aus der Zahl derer, die ich teils selbst gemacht, teils 
durch die Güte des verdienstvollen Dr. J. F. d’Aumerie in 
Scheveningen zu sammeln Gelegenheit hatte. Hierbei kann ich 
zugleich nicht umhin das ärztliche Publikum auf eine der inter 
essantesten und besten Seebadschriften aufmerksam zu machen, 
zumal da dieselbe in der sonst so sorgfältig von Sachs.e ge 
sammelten Badeliteratur gänzlich vergessen worden ist. Ich 
meine die Memoire mr Teffet et l'uliHte des bains de vier povr 
7« guth'ison. de maladies diverses par J. F. d'Aumerie d la 
Uatje chez de Ftsser. 1830. 8., eine von der Academie zu 
Harlein gekrönte Preisschrift, die auch in holländischer Spra- 
elie gedruckt worden ist. Von demselben Verfasser erschien in 
holländischer Sprache im Jahr 1829 eine Beschreibung des Sche- 
'euinger Seebades, die 1830 bei de Visser im Haag französisch 
'erausgekommen ist und, neben genauer Nachricht über die 
Seebadeanstalt selbst, auch eine Menge interessanter Beobach- 
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