Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

162 II. Matena medica und Toxikologie. 
selben auf den menschlichen Körper auseinanderzusetzen. Er 
nimmt elektrische Strömungen im Meere an, führt die Ein 
saugung der Elektrizität aus der Luft, die elektrischen Phä 
nomene auf der Meeresfläche, die Hitzeempfindung der Ba 
denden auf der Haut bei starkem Wellenschläge und selbst 
das Leuchten des Meeres zu seinen Gunsten auf. Indessen 
ist noch Niemand im Stande gewesen, durch physikalische 
Hülfsmittel das Vorhandensein elektrischer Strömungen im 
Meere nachzuweisen, auch ist dasselbe kaum denkbar, da die 
See als ein vorzüglicher Leiter sich augenblicklich aller in ihr 
enthaltenen Elektricität entledigen würde. Aus diesem Grunde 
zieht zwar das Seewasser elektrischen Stoff leicht an sich, nicht 
aber um ihn zu sammeln und zu bewahren, sondern um ihn 
sogleich wieder wegzuleiten. Die Hautwärme bei starkem Wel 
lenschlag möchte sich hiernach zweckmässiger aus dem Hautreiz 
durch das gewaltsam gegen den Körper gestossene Wasser er 
klären lassen, welches ausserdem nach Stürmen an der Ober 
fläche mehr Salz enthält, da auch die untersten Schichten der 
See aufgerührt worden sind. Das Seewasser in der Tiefe hat 
aber nach Marcet’s Versuchen ein grösseres specifisches Ge 
wicht und enthält folglich mehr Salz. Was das Leuchten des 
Meeres betrifft, so hängt diese Erscheinung von ganz andern als 
elektrischen Ursachen ab, wie von Pfiaff, Michaelis, Ma- 
kartney, Link u. A. genügend dargethan worden ist.— Eine 
mehr wahrscheinliche Annahme, die aber eben so wenig bewie 
sen als widerlegt werden kann, ist die, dass das Meerwasser 
die Nerven- und Muskelthätigkeit dynamisch erhöhe, wie das 
Salzwasser elektrische, galvanische und magnetische Processe 
auffallend unterstützt. Freilich kann diese Frage nicht eher 
entschieden werden, als bis man über den eigentlichen Grund 
der Nervenwirkungen mehr im Klaren seyn wird. Eben so 
möchte einer besondern Deutung die Freiheit und Leichtigkeit 
der Respiration zu unterwerfen seyn, welche von allen Seeba 
denden gerühmt und von den Aerzten mit Recht hoch ange 
schlagen wird. Sachse hat den grossem Sauerstoffgehalt der 
Seeluft als Ursache angeführt. Er meint, dass die atmosphäri 
sche Luft an der Seekü.ste schon wegen ihrer grossem Dichtig 
keit, als tiefste Schicht, reicher an Sauerstoff seyn müsse. 
Allein, wenn man auch annehmen könnte, dass diese doch im 
mer äusserst geringe Vermehrung des Oxygengehaltes wirklich 
im Stande sei den Athmungsprocess zu erleichtern, so wird sich 
doch diese Voraussetzung schon von selbst dadurch widerlegen, 
dass man in jjinnengegenden, die eben so tief, ja zum Theil 
noch etwas tiefer als die Oberfläche des Meeres gelegen sind, 
nicht nur nicht leichter athmet, sondern sogar sich sehr auffal 
lend beengt fühlt und zu tiefen und kräftigen Athemziigen an- 
getrieben wird. — Berzelius und vor ihm schon Herntb- 
städt haben das Vorkommen eines eigenthiimlichen Gases in
	        
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