Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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II. Materia medica und Toxikologie. 
gegen Rheumatismen und zwar gegen acute, mit heftigem Fie 
ber und grossen Schinerzen verbundene sowohl, als gegen ver 
altete, fieberlose, rheumatische Schmerzen und Lähmnngen lo 
ben. Offenbar aber richtet er gegen erstere, an sich freilich 
heilbare Uebel mehr als gegen letztere aus, besonders wenn , 
die Wirkung auf den Darmkanal nicht bald erfolgt und Pat. 
eine Zeit lang ohne Uebersätligung davon nehmen kann. Ruft 
er starke Diarrhöe hervor, so hilft er nichts mehr und kann 
sofort ausgesetzt werden. Ueble, vielleicht gar erst lange nach 
seinem Gebrauche sich aussprechende Nebenwirkungen beobach 
tete der Verf. nie. — Zum Schluss wiederholt B. noch kürz 
lich v. Wedekind’s interessante Erfahrungen über den Tart. 
lernet. Er bewirkt nämlich nach demselben in hinreichend klei 
ner Gabe gegeben: 1) einige Vermehrung des Blutumlaufs; 2) 
Vermehrung der Esslust und Beschleunigung der Verdauung im 
Magen, verstärkte Absonderung des Magensaftes; 3) Vermeh 
rung der wässerigten Absonderung durch Lungen, Haut, Nie 
ren und Därme, daher er als Expectarans und gegen rheumati 
sche Uebel in Betreff 1 kommt; Jl) Vermehrung der Einsaugung 
in manchen Fällen. In etwas grösserer Gabe erregt er Auf- 
stossen und Uebelkeit, nützt daher gegen Stockungen und man- ) 
che chronische Unterleibsübel. In noch grösseren Gaben ruft er 
Erbrechen und manchmal Durchfall hervor. *Man könnte, wie 
B. meint, noch hinzusetzen, in wieder grossem aber seltenem 
Gaben erregt er noch kräftiger die Thätigkeit der einsaugenden 
Gefässe, besonders der Brust, befördert die freie Circulation des 
Bluts, die Absonderungen durch Haut, Nieren etc. bis endlich 
bei Uebersättigung Magen und Darmkanal heftig reagirt und zur 
Ausstossung desselben aus dem Körper mittelst profuser, wäss- 
rigter Ausleerungen nach oben und unten angeregt wird. — 
Secale cornutum. Das Sccale comutum hat sich'dem 
Terf. wie so vielen Aerzten, als Wehen beförderndes Mittel, auch 
bei zurückbleibender Placenta aus Mangel an kräftigen Contractio- 
nen des Uterus, so wie bei Atonie des Uterus und davon abhän 
gendem Blutfluss, hier freilich nicht so sicher, vortrefflich bew ährt. 
Am besten, ja wirklich überraschend w irkt es bei älteren , laxen, 
schon mehrmals entbundenen Frauen, wo wegen allgemeiner und > 
örtlicher Schwäche die Geburt nicht fortschreitet. Die Blase ist 
gesprungen, einige schwache, in langen Zwischenräumen wie- 
derkehrende Wehen haben den Muttermund hinreichend erwei 
tert, der Kopf liegt normal vor, die Kreissende befindet sich 
ziemlich, wenn anders nicht starker Blutverlust sie sehr ge 
schwächt hat, die Hebamme hat schon alle Hausmittel ange 
wendet, aber immer noch stellten sich keine kräftigen Wehen 
und kein bemerkliches Vorschreiten des Kopfs ein — da end 
lich wird zum Arzte geschickt, der einige Pulver verschreibt, 
an deren Wirkung keiner der Umstehenden glaubt. Wie staunt 
man aber, wenn nach dem 2. Pulver, wie der Arzt voraus-
	        
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