Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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II. Materia medica und Toxikologie, 
Nebenwirkungen, besonders bei Vollblütigen bedeutende Kopf- 
congestionen, entwickelt, noch weit weniger aber Venäsectio- 
nen in Gebrauch zu ziehen, immer grosses Bedenken trägt. Nur 
Wo Diarrhöe zugegen ist, oder der Brechweinstein wegen gros 
ser Neigung dazu gleich anhaltend auf den Darmkanal wirkt, 
giebt er nur etwa nocli nach einem Brechmittel aus reiner Ipecac., 
oder Ipecac. mit Amylum, Opium mit Magn. carb., Salep, Nu.r 
mosch, etc. abwechselnd mit Opiumtinctur in steigenden Gaben, 
bis sich der critische Schlaf einiindet. Wenn der Tart. slibiat. 
gut vertragen wird, endlich auch Brechen und Purgiren hervor 
bringt und die Pusteln sich reichlich ausbilden, wird Pat. ruhi 
ger und verfällt bald in critischen Schlaf, was gewöhnlich bin 
nen 36—48—72 Stunden geschieht. Man lässt dann gleich alle 
innern und äussern Mittel weg und beendigt nach dem Schlafe 
die Cur mit bittern Mittel, Tinct. arom. aciil. oder Acid. sidph. 
in Wein oder Branntwein, zur möglichen Abgewöhnung des 
letzten. Doch wird die Säure den Säufern bald so zuwider, 
dass man sie durch nichts zu ihrem fernem Gebrauche bringen 
kann und früher oder später erliegen sie wieder der Versu 
chung. Bei öftern Rückfällen und wenn die Kräfte schon sehr 
gesunken sind, könnte man vielleicht den Tart. slibiat. passend 
mit Opium verbinden , doch wird man dadurch eben so wenig, 
als durch Opium allein, Campher, Ammon, etc. den unglück 
lichen Ausgang abhalten. Demnach hält B. mit Barkhausen 
den Tart. slibiat., kalte Kopfumschläge, allenfalls Blutegel 
hinter die Ohfen, Senfteige an die Waden und zur endlichen 
kunstgemässen ßeschliessung des Trauerspiels Ammon., Camph., 
Moschus, Arrica für Hauptmittel gegen Mania und Delirium 
tremens poiatorum, wobei es freilich mehr darauf ankommen 
würde, Mittel und Wege gegen die Rückfälle, als gegen den 
Anfall selbst aufzulinden. Abführungen, z. B. Magnes. sulpji. 
oder gar Kalom., sind gewiss nur in seltenen, besonderen, hier 
nicht weiter zu erörtenden Umständen von Nutzen, Aberlässe 
aber hält B. mit Pauli für ganz verwerflich, wenn sich nicht 
etwa ein apoplectischer Zustand entwickelt hat und schleunigen 
Tod droht. Auch muss der Verf. nach einigen wenigen, frei 
lich nicht genügenden Erfahrungen den Tart. slibiat. in eben 
der Art, wie beim Delirium tremens angewendet, noch gegen 
Geisteskranklieiten zur weitern Prüfung empfehlen und zwar 
wenn es darauf ankommt, den Turgor vitalis rasch und kräf 
tig herabzustimmen, die wuchernde Lebenskraft gleichsam zu 
brechen und bedeutende Erschütterung und Umstimmung des 
ganzen Nervensystems herbeizuführen. Bei einer jungen, sehr 
kräftigen übernährten Frau mit Monomanie leistete er sehr gute 
Dienste, doch musste ihn Pat. lange und in bedeutenden Gaben 
fortnehmen, ja es mussten selbst noch Brech- und Abführmittel 
mterponirt werden, um die gewünschte Herabstimmung der 
Kräfte etc. zu erreichen. Noch kann B. den Tart. slibiat.
	        
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