Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

158 II. Matena medica und Toxikologie. 
Brotwasser und giebt dieses oder dünnen Haferschleim zum ge 
wöhnlichen Getränke. Lauwarme oder gar heisse Getränke er 
laubt man durchaus nicht. Peschier stieg oft bis 15 Gran in 
24 Stunden und setzte nach Umständen Spir. nitr. aclher., Aeth. 
acet. Nitr., Tinct. opii hinzu. Zweckmässig scheint auch Tom- 
masini’s Methode Ilcc. Tart. stib. gr. vij.—viij. Aqu. dest. 
51’ij. M. S. Stündlich 1 Esslöffel in einer Tasse von Rcc. Dcc. 
Hordci libr. ij. Kal. nitr. 5j. Mell. desp. 5ij. M. S.) ganz 
und gar nicht empfehlungswerth dagegen Steffen’s Verfahren, 
der einer schwachen Brechweinsteinsolution noch 1 Unze Magn. 
sulph. zusetzt, da gerade das Purgieren es ist, was die gute 
Wirkung des Tart. stibiat. gegen das entzündliche Leiden am 
meisten und leichtesten stört. Hufeland hatte, wie bekannt, 
6chon längst gegen Pneumonia biliosa Brechmittel besonders 
empfohlen, während Göden Kalomel zu wenigstens (?) 4 Gran, 
dagegen lobte. Ausser den genannten entzündlichen Brustübeln 
hat B. noch den Tart. stibiat. gegen verschiedene Lähmungen, 
namentlich halbseitige, nach apoplectischen Anfällen mehrmals, 
doch nicht mit dem erwünschten Erfolge gegeben, dass er ihn 
jetzt in diesen Fällen nicht mehr anwendet. Zwar schien er 
anfänglich gut zu wirken, die gelähmten Theile empfindlicher, 
den Kopf freier zu machen, doch dieser Schein von Besserung 
ging bald vorüber und früher oder später musste man, weil 
Zeichen einer Uebersättigung mit dem Mittel eintraten, dasselbe 
weglassen, ohne dass man damit irgend bleibende, bedeutende 
Resultate erlangt hätte. Eine gleiche scheinbar günstige, aber 
bald wieder erlöschende Wirkung leistete das nach dem Tart. 
stibiat. gegebene Extr. Nuc. Vomic. spirit. oder reines Strych 
nin in steigender Gabe, das.zwar bald die bekannten Muskel- 
affectionen, aber keine wesentliche Besserung zu Wege brin 
gen konnte. Bei einem alten, sonst noch ziemlich robusten 
Manne konnte B. bis 16 Gran auf 6 Unzen steigen, ehe die 
Uebersättigung sich einstellte. Auch hier entstanden Jucken, 
Kriebeln, Schmerzen in der gelähmten Seite bei vermehrtem all 
gemeinen Wohlbefinden, das aber gleich wieder aufhörte, als 
man das Mittel aussetzen musste. Uebrigens kann man bei 
Kranken der Art oft sehr hoch mit der Gabe des Tart. stibiat. 
steigen, aber wirklichen Nutzen hat B. nie davon beobachtet. 
So gab Lännec gegen Hemiplegie nach Schlagfluss einem 48- 
jährigen, sonst sehr kräftigen Manne bis auf 36 Gran in 7 Un 
zen Atpi. flirr. Amant, ehe wegen Brechen und Purgiren das 
Mittel ausgesetzt werden musste. Gegen Amaurose eines alten, 
schwächlichen Mannes leistete der Tart. stibiat. gar nichts. 
Als ganz vortreffliches Mittel erwies er sich dagegen in ge 
nannter Gabe und Form, und zugleich als Vng. Tart. stibiat. 
in Nackeij und Schultern reichlich eingerieben, gegen Mania 
und Delirium tremens potatorum, besonders mit kalten Kopf- 
umschlägeu, so dass B. jetzt Opium, das doch nicht selten üble
	        
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