Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

144 II. Materia 'medica und Toxikologie. 
das intermediäre Gefässnetz der Haut getrieben. Das in die 
sem zarten Adernetze in grösserer Menge angelangte Blut ge- 
räth aber, da die Saugkraft des Scliröpfkopfes alles, was be 
weglich ist, nach auswärts wendet, nicht allein in Stockung und 
nicht, wie gewöhnlich, in die venöse Sphäre zurück, sondern 
wird sogar durch dieselbe Kraft und durch ein Bersten der zar- ' 
ten Aderwände aus der Bahn der Befasse in die Sphäre des 
plastischen Stoffes gebracht. Wird nun in diesem Momente die 
so veränderte und gereizte Hautstelle mittelst des Schröpfschnäp 
pers an vielen Puncten getrennt, so entleert sich die künstlich 
angesammelte und zum Theil extravasirte Blutmenge, ja es wird 
auch durch ferneres Saugen des überwiegenden Instrumentes 
eine grössere MeDge Bluts aus dem intermediären Adernetze aus 
ser Circulation gesetzt. — Den hohen Einfluss und die Wirk 
samkeit dieser Blutentziehungsmethode wird der Practiker zu 
erkennen und zu benutzen wissen. [Oesterr. mcd. Jahrb. 
Bd. 19. St. 1.] 
C2. lieber die in der Medicin gebräuchlichen Blut 
egel; vom Prof. Dr. S. C. Fischer zu Wien. Die Blutegel 
gehören in die Klasse der Ringelwürmer. Die Arten, welche 
zum Arzneigebrauche geeignet sind, im Handel mit einander 
yorkoromen und ohne Unterschied mit einander angewendet wer 
den, sind, obgleich stets nur eine Art angeführt wird, San- 
guisuga chlorogaslcr, S. interrupta, S. medicinalis, S. oj'/i- 
cinalis und S. verband. Sie alhmen durch die Haut, sind 
Hermaphroditen, leben in süssen, stehenden, sumpfigen Wäs 
sern, auf dem Grunde daselbst oder im Schatten der Wasser 
pflanzen, sind lebhaft bei schönem Wetter und kommen auf die 
Oberfläche, während sie bei kaltem und stürmischem Wetter 
auf den Grund gehen, verkriechen sich iin Herbst in den Schlamm 
und schlafen daselbst den Winterschlaf. Sie leben von den 
Säften anderer Thiere, nehmen wenn sie nicht besonders ange 
regt werden, gewöhnlich nur im April und Mai, und im Oct. 
und Nov. Nahrung zn sich, die sie sehr langsam verdauen 
und ein ganzes Jahr entbehren können, ohne abzumagern. Sie 
werden über 10 Jahre alt, wachsen nur langsam und das Ver 
mögen, von einem älteren Individuum befruchtet zu werden, 
stellt sich erst im 7. oder 8. Jahre, das Vermögen aber, wäh 
rend einer und derselben Paarung zugleich befruchtet zu wer 
den und gegenseitig das andere Individuum zu befruchten, stellt 
sich erst mit der vollendeten Entwickelung des Körpers ein. 
Sie legen Eier, welche in einem Gehäuse, dass ausserhalb des 
Leibes der Mutter gebildet wird, ausgezeitigt werden; allein 
das Gebären lebendiger Jungen ist wenigstens höchst zweifel 
haft. Sollen die Blutegel versandt und aufbewahrt werden, so 
dürfen sie zu keiner andern Zeit, als im Herbste eingelängen 
werden. Zur Aufbewahrung der Blutegel ist ganz reines und 
frisches Wasser nicht geeignet und die öftere Erneuerung des- 
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