Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

II. Materia medica und Toxikologie. 
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lass aus den verschiedenen Bezirken des Aderkreises zu deuten 
und die Wirkungen und Folgen jeder dieser Entleerungen für 
das Blutleben, für die Blutausbildung und für die Leistungen des 
Blutes überhaupt anschaulicher zu machen. Er beantwortet zu 
diesem Zwecke vier Fragen, deren Resultat von hoher Wich 
tigkeit ist. 1) Es giebt keinen topischen, oder die Blutmasse 
eines bestimmten Rörpertheiles allein anfeindenden Biutlass: 
jede Blutentziehuug, durch welches Gefäss sie auch bewirkt 
wird, ist eine allgemeine, und der Erfolg jeder Blutentziehung, 
Verminderung der Gesammtblutmasse, eine Herabsetzung des 
Lebens sowohl im Blute, als im Allgemeinen. Dieses Axiom 
stützt Verf. auf die Thatsachen, dass sämmtliche Theile der 
Blutbahn unter einander enge verbunden sind, dass auch die 
zartesten und entferntesten Puncte derselben zur Bewahrung des 
Blutes organische Wandungen besitzen, ja einen steten Verkehr 
mit allen übrigen Abtheilungen des Aderkreises unterhalten; dass 
in allen Bezirken das Blut cirkulirt, auf seine natürliche Balm 
beschieden wird und als Träger des animalischen Lebens, als das 
Incitament der Blutbahn und die Quelle aller Vegetation und 
neuen Bildung betrachtet werden muss. — Nur in wenig Fäl 
len, wo das unterliegende Organ durch unmittelbare Gefässver- 
längerungen mit der Haut in unmittelbarer Verbindung steht, 
lässt sich die Annahme einer vorherrschenden, jedoch nur tem 
porären, topischen Blutentleerung vertheidigen und annehinen. 
— 2) Wirkung und Folgen der Blutentleerungen in verschiede 
nen Aderbezirken und vermittelst der verschiedenen Blutentzie- 
hungsarten sind sich nicht gleich. Die Arterien führen das edel 
ste, das zur Bildung befähigte Blut und in diesem ist das Ver- 
hältniss der Bestandtheile im Normalgange des Lebensprocesses, 
der Gattung, dem Geschlechte, dem Alter und überhaupt der 
Individualität entsprechend. Sobald aber die arteriöse Strömung 
die Stämme des Arteriensystems verlassen und die besondern 
Abtheilungen erreicht hat, geht die oben geschilderte Abgabe 
des Serum an die benachbarten Organtheile um so mehr vor 
sich, als diese sich dem intermediären Adersysteme mehr ge 
nähert hat. Eine Blutentziehung aus uem Bezirke der Schlag 
aderstämme würde daher wahrscheinlich die Bildbarkeit und 
das Blutleben am schnellsten herabstimmen; dies ist jedoch bei 
der Bedeutenheit einer Verletzung eines Arterienstammes unaus 
führbar. Von der Arteriotomie der kleinen Schlagadern ist man 
aber, wegen der geringen Vortheile, die sie gewährt, schon 
lange abgekommen. — Die Venäsection w'irkt gleichzeitig und 
Sleichmässig auf das Blutleben, die Bluterzeugung, die Ernäh 
rung und Ausbildung, und endlich auf die Thätigkeit der Cen 
tralorgane des Kreislaufs und der Blutbildung. Denn! in dem 
Bezirke der Venen finden wir schon die mittlern Gefässe nicht 
allein mit jenen vom intermediären Adernetze zurückgekehrten 
Hlutkörnern, sondern auch mit Lymphe und gewonnenen Stof-
	        
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